Umzugskartons packen, Möbel zerlegen, Helfer organisieren, alte Wohnung streichen, neue Wohnung einrichten: Die allermeisten Menschen ziehen nur ungern um. Dennoch tun es viele Münchner – insgesamt zwischen sieben und acht Prozent im Jahr, also fast jeder Zehnte! Das hat die Stadt in einer großen Umfrage herausgefunden. Anhand dieser lässt sich auch sagen, warum genau und wohin umgezogen wird (siehe Tabelle rechts).
Insgesamt haben die Fachleute der Verwaltung 4982 Datensätze ausgewertet. Bei 2527 Münchnern lag der Umzug zwischen 2011 und Ende 2020, bei den übrigen davor. So lassen sich auch Erkenntnisse gewinnen, wie sich die Gründe für den Wohnungswechsel über die Jahre verändert haben.
Zunächst haben die Studienersteller die Antworten in Grobkategorien unterteilt und erfasst, ob der Umzug aus eigenem Wunsch heraus geschah oder aus Zwang, etwa wegen einer Eigenbedarfskündigung oder weil das Gebäude verkauft wurde. Ergebnis: 93,2 Prozent der Umzüge geschahen auf Wunsch der Mieter. 314 Personen gaben an, zum Umzug gezwungen gewesen zu sein.
Als grobe Gründe für den freiwilligen Umzug nannten 35,7 Prozent der Teilnehmer veränderte Lebensumstände/
-wünsche. Zum Beispiel, weil man mit dem Partner zusammenziehen will, sich trennt oder weil ein Kind zur Welt kommt. Am zweithäufigsten, also in 21,6 Prozent der Fälle, hatten die Umgezogenen den Wunsch nach einer anderen Wohnung (zum Beispiel wegen der Größe, der Ausstattung, Balkon/Garten, Grundriss, Barrierefreiheit). Erstaunlich im teuren München: Für 18,8 Prozent der Befragten waren der Erwerb beziehungsweise das Erbe von Wohneigentum der Grund für ihren Umzug. Die Kündigung sorgte für 6,4 Prozent der Umzüge. Zu lediglich 4,3 Prozent verleiteten die Kosten der Wohnung die Münchner zu einem Wohnungswechsel.
Ein detaillierterer Blick verrät, dass 551 der Befragten den Wunsch nach einer anderen Wohnung hatten. 73,7 Prozent davon wiederum gaben an, dass die neue Wohnung größer war als die alte. Aber auch kleinere Wohnungen waren des Öfteren der ausschlaggebende Punkt für den Bezug eines neuen Domizils. Die Ausstattung wie ein Balkon/Garten oder eine hochwertige/moderne Ausstattung der neuen Wohnung war für 12,2 Prozent der Grund für den Wunsch nach einer anderen Wohnung. Spannend auch: 2020 wurde besonders häufig genannt, dass in der neuen Wohnung ein Arbeitszimmer vorhanden ist – wegen der Pandemie mussten ja viele ins Homeoffice.
Die Kündigung ihres Mietverhältnisses wurde von 232 Befragten benannt, davon in 46,6 Prozent der Fälle wegen Eigenbedarfs. Dieser Wert war im Jahr 2020 mit 51,4 Prozent besonders hoch. In 136 Fällen waren die Kosten ein Faktor: Eine Mieterhöhung etwa nannten 12,5 Prozent als Grund.
Doch nicht jeder, der umziehen muss oder will, hat die Möglichkeit dazu, wie die Geschäftsführerin des Mietervereins, Angela Lutz-Plank, weiß. „Viele Menschen bleiben in Wohnungen, die eigentlich nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passen.“ Da lebe dann beispielsweise eine vierköpfige Familie auf 65 Quadratmetern, weil sie keine bezahlbare Wohnung findet. Große Sorge bereitet dem Mieterverein zudem, dass immer noch vielen Mietern wegen Eigenbedarfs gekündigt werde. „Das bayerische Kabinett muss das Umwandlungsverbot nachschärfen.“ Derzeit gilt eine Genehmigungspflicht für Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen bei Mietshäusern mit mehr als zehn Wohnungen. Bei kleineren Einheiten müssten Mieter immer noch zittern.