Es sind spektakuläre Einblicke, für die die Geheimdienste von Wladimir Putin im Ukraine-Krieg wohl einiges geben würden: Eine ARD-Dokumentation deckt auf, wie wenige Leopard-2-Panzer im Nordwesten Münchens eigentlich gebaut werden.
In den exklusiven Aufnahmen aus den Fabrikhallen des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS ist zu sehen, wie der berüchtigte Leopard-2-Kampfpanzer zusammengeschraubt wird. Der Beitrag mit dem Titel „NATO – wer wird Europa schützen?“ zeigt vor allem eines: Dass die jährliche Stückzahl der gefertigten Leoparden sehr überschaubar ist – während der Bedarf in den Nato-Staaten aber riesig ist.
Bemerkenswert offen spricht KNDS-Geschäftsführer Ralf Ketzel im ARD-Interview die unbequemen Wahrheiten zur Produktion an. Diese sind, dass es vom Auftrag bis zur Auslieferung eines Kampfpanzers etwa zwei Jahre dauert und dass in den Münchner Produktionsstätten im Jahr nur 40 bis 50 Panzer gebaut werden können.
Grund dafür ist eine rechtliche Hürde: „Kriegswaffen darf man nicht auf Vorrat schaffen – es ist kein Wirtschaftsgut“, sagt Ketzel. Man arbeite auf Regierungsaufträge. Dafür müsse es Genehmigungen zur Herstellung sowie zum Export und zur Auslieferung geben. Ein weiteres Problem sei die komplexe Lieferkette für das Produkt Kampfpanzer. „Das dauert, bis diese Kette angelaufen ist“, weiß Ketzel. An der Fertigung eines Leopard 2A7 für die Bundeswehr seien beispielsweise 2000 Lieferanten beteiligt. Noch vor rund 30 Jahren sei das deutlich unkomplizierter gewesen. „Wir hatten drüben eine echte Bandmontage im Werk.“ Man habe pro Tag einen Panzer liefern können.
Ketzel wünscht sich zudem mehr Einheitlichkeit zwischen den Leopard-Typen der verschiedenen Nato-Mitglieder. Denn: Je nach Staat haben die Panzer verschiedene Waffenanlagen oder Schutzsysteme.
Und noch etwas zeigt der Bericht: Obwohl das Rüstungsunternehmen in Deutschland produziert, muss die Bundeswehr länger warten, weil zeitgleich andere Nato-Staaten bedient werden. Brisant: Darunter ist aktuell auch Ungarn, dessen Ministerpräsident Viktor Orban immer wieder Waffenlieferungen an die Ukraine, die EU und die Nato blockiert.
In München kommt es offenkundig zu einem langen Stau. Das Bundesverteidigungsministerium hatte etwa im Mai 2023 die Bestellung von 18 Leopard 2 vermeldet. Budapest hatte schon im Dezember 2018 36 bestellt. Diesen Januar waren aber erst acht davon ausgeliefert. Und im Februar 2023 hatte Norwegen noch 54 Stück geordert.
In der ARD-Dokumentation sind in den Fabrikhallen von KNDS mehrere Bundeswehr-Leoparden sowie ein neuer ungarischer und mindestens ein Leopard 2 für die kanadische Armee zu sehen.