Dietmar Schneider ist sauer. Jahrelanger Stillstand am stillen Örtchen schlägt dem 63-Jährigen nicht nur aufs Gemüt, sondern mitunter auch gewaltig auf die Blase. Denn wenn er schwer bepackt mit Einkäufen aus der U-Bahn steigt, ist das WC im Bahnhof Feldmoching wegen Sanierung geschlossen. Und das seit fünf Jahren.
„Ich war letztens beim Einkaufen und hätte dringend eine Toilette gebraucht“, sagt der Feldmochinger. Weil er um die Not mit der Notdurft im Münchner Norden weiß, eilte er heim. Denn: Auch die WC-Anlage im Bahnhof Hasenbergl ist dicht. Auch seit fünf Jahren. Aber: An beiden Toiletten hängt ein Schild, das auf die „Nächste WC-Anlage“ im jeweils anderen Bahnhof verweist. Ein Griff ins Klo. Der Unmut bei Passanten sei dementsprechend groß: „Wer den Weg auf sich nimmt, steht wieder vor verschlossener Tür. Das ist wirklich ärgerlich!“
Auch im Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl häufen sich die Meldungen zum WC-Notstand im Stadtteil. „Es gibt ständig Anfragen und Beschwerden von Bürgern. Wir wurden von den Verantwortlichen immer wieder vertröstet“, sagt BA-Chef Dr. Rainer Großmann (CSU). Es sei „unvorstellbar“, dass sich die Wiedereröffnung der Toiletten über so viele Jahre hinziehe.
Auch ein verzweifelter Supermarkt-Pächter hat sich schon an das Stadtteil-Parlament gewandt: „Er hat sich beschwert, dass die Tiefgarage zweckentfremdet wird. Das stinkt dann natürlich“, berichtet der BA-Vorsitzende.
Ein Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG bestätigt auf Anfrage, dass beide WC-Anlagen seit 2019 wegen Sanierung gesperrt sind. „Die verhältnismäßig lange Dauer der Sanierung hat mehrere Gründe, unter anderem haben sich im laufenden Projekt Standards geändert, zudem gab es hohen Abstimmungsbedarf mit Herstellern und der Genehmigungsbehörde.“
Die Anlagen Feldmoching und Hasenbergl seien Teil eines Sanierungspakets aus insgesamt sieben Anlagen, zu denen auch die an den U-Bahnhöfen Klinikum Großhadern, Messestadt Ost, Milbertshofen, Neuperlach Süd und Westfriedhof gehörten. Alle sieben Anlagen seien fertig umgebaut und sollen nach Abnahme nach und nach bis Ende Mai in Betrieb gehen. Die Beschilderung an den Toiletten würde zudem geprüft und gegebenenfalls angepasst, sagt der Sprecher – und verspricht: „Für zukünftige Projekte haben wir die Prozesse optimiert, um die Sperrzeiten möglichst kurz zu halten.“