Rettungsplan aus dem Rathaus

von Redaktion

VON SASCHA KAROWSKI

Für Münchner ist das Herzkasperlzelt eine Herzensangelegenheit. Denn das drohende Aus für den Traditionsbetrieb auf der Oidn Wiesn beschäftigt unsere Leser, zahlreiche Zuschriften haben die Redaktion erreicht, in denen vor allem Bedauern zum Ausdruck gebracht wird, sollte das Herzkasperlzelt verschwinden. Sogar eine Petition wurde gestartet. Die Rufe haben freilich auch das Rathaus erreicht. Die SPD will nun neue Regeln aufstellen, damit der Zirkus um die Zelte zumindest im kommenden Jahr ein Ende hat.

Wie berichtet, könnte das Herzkasperlzelt heuer nicht auf der Oidn Wiesn stehen. Denn bei der Bewertung nach dem städtischen Punktekatalog hat das Kulturzelt von Wirt Beppi Bachmaier schlechter abgeschnitten als ein Mitbewerber. Dem Vernehmen nach soll es sich um Peter Schöniger handeln, den Wirt der Festhalle Bayernland auf dem Frühlingsfest. Der soll sich für die Wiesn und die Oide Wiesn beworben haben. Ob der Gastronom den Zuschlag für das historische Volksfest bekommt, entscheidet der Stadtrat wohl am 7. Mai.

Die Rathaus-SPD will nun beim Bewertungssystem ansetzen, „um dem künftig dem besonderen Charakter der Oidn Wiesn noch besser gerecht zu werden“, sagt Stadtrat Klaus Peter Rupp. In einem Antrag wird das Referat für Arbeit und Wirtschaft gebeten, die Kriterien für die Bewerbung für die Festzelte auf der Oidn Wiesn zu überarbeiten. Bis zum Start der Bewerbungsphase für die Oide Wiesn 2025 soll dem Stadtrat ein Konzept vorgelegt werden, das dem besonderen Charakter besser gerecht wird.

Die Stadt bewertet nach 13 Kriterien, unter anderem gibt es bis zu elf Punkte für die Zuverlässigkeit, technische Standards, ökologische Aspekte oder Anziehungskraft. Unter dem letztgenannten Schlagwort gibt es Punkte für das Kulturprogramm. Geht es nach der SPD, soll dies eine größere Gewichtung bekommen als etwa Ökologie und bei der Bewertung den Ausschlag geben können. Zudem soll die Verwaltung prüfen, ob bei der Bewertung künftig auch externe Fachexpertise hinzugezogen werden kann. Bislang vergibt das Kulturreferat Punkte für das Kulturprogramm. „Kulturelle und ökologische Aspekte müssen in einem angemesseneren Verhältnis stehen“, sagt Rupp. OB Dieter Reiter: „Nachdem die Oide Wiesn sozusagen ein Herzensprojekt von mir ist und wir dort bewusst vermehrt auf Tradition und Kulturangebot gesetzt haben, begrüße ich es durchaus, wenn darüber nachgedacht wird, ob das Kulturangebot künftig noch stärker gewichtet werden soll.“

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