Volle Dröhnung, aber richtig!

von Redaktion

PETER T. SCHMIDT

Wiesn lässt ihr grünes Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süßlich-schwere Haschischdüfte Streifen ahnungsvoll das Land …

Beinahe habe ich schon befürchtet, wir müssten unseren Mörike umdichten. Doch der Pastor aus dem Württembergischen darf in Frieden ruhen, sein 1829 erschienenes Werk „Er ist’s“ bleibt unangetastet. Denn die bayerische Staatsregierung will nicht tatenlos zusehen, wie die Bajuwaren zu einem Stamm zugedröhnter Kiffer verkommen. Der Bund mag die Macht haben, Cannabis freizugeben: Dem Freistaat bleibt das Recht, der Freiheit eigene, engere Grenzen zu setzen, und er rammt als Hausherr im Englischen Garten schon einmal einen mächtigen Grenzpfahl ein. Ein harter Schlag für die Anhänger der Hanfpflanze, die am 1. April mit einem extradicken Festtags-Joint den Beginn eines neuen Zeitalters gefeiert haben. Schließlich zählt der Englische Garten zu jenen raren Flecken in München, wo man sich leidlich sicher sein darf, 100 Meter von der nächsten Schule entfernt zu sein und – zumindest zu vorgerückter Stunde – keine Begegnung mit Kindern fürchten zu müssen.

Es überrascht nicht, dass Münchens Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner den Fingerzeig aus der Staatskanzlei begrüßt. Denn Drogen, so hat er mehr als einmal klargestellt, haben auf dem größten Volksfest der Welt nichts verloren. Die Botschaft ist klar: Tetrahydrocannabinol, kurz THC, also jener Wirkstoff, der dem Haschisch die berauschende Wirkung verleiht, muss draußen bleiben, Münchens Wiesn-Zelte sollen schließlich keine Kiffhäuser werden. Und außerdem ist Rauchen auf der Wiesn eh verboten.

Dass Münchens Brauereien eigens für das Oktoberfest ein Bier brauen, das einen besonders hohen Gehalt an C2H6O aufweist, scheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Schließlich zeichnet sich auch dieser Wirkstoff, der in der Fachliteratur als Droge und Lebergift eingestuft wird, laut Wikipedia durch seinen „charakteristischen, würzigen (süßlichen) Geruch“ aus. Auch seine berauschende, bewusstseinstrübende und suchterregende Wirkung ist vielfach beschrieben. Doch anders als THC ist C2H6O, landläufig auch als Alkohol bezeichnet, fest in der bayrischen Kultur verwurzelt. Er gibt Volksfesten seit jeher die rechte (Stamm)Würze. Der Freistaat unterhält sogar eine eigene Produktionsstätte namens Hofbräu München, mit der er auf der Wiesn kräftig mitverdient.

So wird es wohl kommen, wie es kommen muss: Während das Bier in Strömen fließt, werden Kiffer die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Es ist eben nicht egal, womit man sich zudröhnt. Womöglich muss Eduard Mörikes Ode an den Frühling doch ein wenig aktualisiert werden:

Säufer wanken schon, Sani wird bald kommen. Horch, beim Kiffer klicken Fesseln schon! Bayern, ja du bist’s! Dich hab ich vernommen!

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