Schon am Samstagvormittag war die Besucherschlange am Eingang lang. Innen schlenderten die Interessenten an zeitgenössischen Gemälden und Designerstücken von 150 Künstlern entlang. Geboten war allerhand: von Fotokunst mit München-Motiven bis zu einem Hirschgeweih mit Glitzer. Unsere Reporterin hat sich umgeschaut, welche Schätze erstanden worden sind.
Das Bild mit der Zeichenmaschine
Extra 400 Kilometer angereist ist Ines Seitz (57), Kunsterzieherin aus Vogtland bei Zwickau – „weil ich schon lange die Messe besuchen wollte“, wie sie erzählt. Heute habe sie sich etwas sehr Außergewöhnliches geleistet. „Es ist eine grafische Zeichnung von Robert Balke, die mit einer Zeichenmaschine erstellt wurde. Mich hat sehr fasziniert, dass zeichnerische Strukturen anhand von Rhythmus in bildliche Elemente umgesetzt werden.“ Die Maschine habe mehrere Motoren und das Blatt selber drehe sich auch, womit dann ein Rhythmus des Zeichnens entstehe. „Für das Unikat habe ich 95 Euro ausgegeben.“ Seitz ist von der Ideenvielfalt fasziniert: „Es gibt Techniken, die ich noch nie gesehen habe.“
Skulpturen für die Hochzeit
Die beiden Skulpturen, die Heiko Müller (58), Bioinformatiker aus München, von Künstlerin Stefanie von Quast erworben hat, stellen Aphrodite und Adonis dar. „Da meine Tochter und ihr zukünftiger Mann ein sehr schönes Paar sind, habe ich mich spontan dazu entschlossen, ihnen die Skulpturen als Hochzeitsgeschenk zu kaufen“, erzählt der Münchner. „Die Figuren sind aus patinierter Bronze – und unheimlich aufwendig und kompliziert in der Herstellung.“ Die Künstlerin arbeitete über mehrere Wochen daran, damit es nach einem langen Prozess auch ein rundes Schlussergebnis wird. „Ursprünglich hatte ich geplant, mich für ein Bild umzuschauen, habe mich aber schnell anders entschieden“, so der 58-Jährige. Je Skulptur zahlte er 1500 Euro.
München aus Buchstaben
„Das Poster von München hat mich heute am meisten fasziniert, deswegen nehme ich es mit nach Hause“, berichtet Christine Hofer (60), Verkäuferin aus München. Das Besondere sei, dass jeder Stadtteil namentlich genannt werde und die Buchstaben so einsortiert seien wie die Fläche des Stadtteils. „Dafür habe ich 150 Euro bezahlt.“ Hofer ist das erste Mal bei der ArtMuc – „weil ich neugierig war“, sagt sie. Die Messe sei sehr abwechslungsreich, es gebe viele unheimlich unterschiedliche Sachen. „Einiges hat mir sehr gut gefallen, anderes aber auch wieder nicht – aber es war auf jeden Fall spannend.“ Im Museum wisse sie, was sie erwartet, „aber hier ist es jedes Mal anders“.
Ein frecher Hingucker
Als Gemälderestauratorin hat Daniela (42) aus München eine Affinität zur Kunst. „Ich finde die Bilder von Yo Franklin wahnsinnig spannend in der Technik. Deshalb habe ich mir auch eines für 280 Euro gekauft.“ Es passiere sehr viel auf dem Bild, sie habe das Gefühl, sie sehe sich daran nicht so schnell satt. „Ich habe auch die Künstlerin befragt, welche Materialien sie hergenommen hat.“ Das Bild sei ein frecher Hingucker. „Wo es in der Wohnung hängen soll, weiß ich noch nicht, da muss ich noch schauen“, sagt die Münchnerin.
Ein Gemälde wie ein Foto
„Die ArtMuc gehört für mich zum jährlichen Programm“, erzählt die im Immobilienfonds-Management tätige Kyra Klein (38) aus München. „Ich entdecke immer etwas Neues und erlebe Künstler, die noch nicht sehr bekannt sind.“ Dieses Mal habe sie sich für ein fotorealistisches Gemälde entschieden. Es zeigt eine Steckdose über dem Parkett. „Es ist simpel, aber ganz toll gemalt.“ Klein nimmt immer sehr viele Flyer mit und geht zum Schluss noch mal alles im Kopf durch. „Das Bild ist mir mit noch einem anderen Werk die ganze Zeit über im Gedächtnis geblieben. Letztlich habe ich mich dann für dieses entschieden.“ Dafür hat sie 580 Euro ausgegeben.