Feuerteufel auf dem Viktualienmarkt

von Redaktion

VON GABRIELE WINTER

Michaela Schmidt sitzt der Schreck immer noch in den Knochen: „Der hat das Feuer einen Meter neben unserer Gasleitung gelegt. Wenn es die erwischt hätte, sähe es hier noch ganz anders aus.“ Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann Mabrouk Yahyaoui die Chicos Saftbar auf dem Viktualienmarkt. Am Freitagabend hatte Michael Schlegel vom benachbarten Delikatessen-Standl die beiden angerufen und gesagt, dass es bei ihnen brennt. Er war auch gleich mit dem Feuerlöscher angerückt, als er den Brand bemerkt hatte. „Wir sind dann sofort ins Auto gesprungen und waren von Altperlach aus in 20 Minuten da. Alles hat immer noch gequalmt.“

Polizei und Feuerwehr waren schon vor Ort und der Brand so weit unter Kontrolle. Auch der mutmaßliche Täter war bereits gefasst. „Ein Pärchen aus Skandinavien hatte die Tat beobachtet und den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten“, weiß die Saftbar-Besitzerin.

Wie ein Polizei-Sprecher auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte, handelt es sich bei dem Mann um einen 50-jährigen Obdachlosen, der den Beamten bereits von anderen Straftaten bekannt ist. Neben Chicos Saftbar hatte der Zündler noch einen ungarischen Paprikastand angezündet. „Das ist jetzt das Tüpfelchen auf dem i“, empört sich Michaela Schmidt. „Wenn wir morgens zur Arbeit kommen, haben wir ständig Müll und Fäkalien vor unseren Ständen oder die Planen sind aufgeschlitzt.“

Das feiernde Volk ziehe jetzt regelmäßig vom Gärtnerplatz an den Viktualienmarkt. Daher sei es vor allem im Sommer notwendig, dass jemand nach dem Rechten sehe. Sie will sich jetzt bei der Marktleitung dafür einsetzen, dass ein Sicherheitsdienst zwischen 22 und sechs Uhr auf dem Viktualienmarkt patrouilliert – „am besten mit Hund, das würde schon mal einige von ihrer Zerstörungswut abhalten“. Zwar haben Schmidt und Yahyaoui schon einen Bewegungsmelder an ihrem Stand angebracht, „aber das hilft nicht viel“, meint Schmidt.

Der Schaden an ihrem Stand ist vermutlich fünfstellig, denn auch das Dach wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Saftbarbesitzer haben alles, so gut es geht, mit Planen und Paletten abgedeckt, „doch wir mussten erst stundenlang alles von dieser stinkenden braunen Soße befreien“. Schmidt hofft, dass ihre Versicherung den Schaden bezahlt, denn bei dem Obdachlosen sei vermutlich nicht viel zu holen.

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