Das pro-palästinensische Protestcamp vor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.
Demonstranten schwenken palästinensische Flaggen am Marienplatz. Die Veranstaltung verlief störungsfrei.
Fast 4000 Demonstranten versammelten sich am Nakba-Tag am Samstag vor dem Rathaus. © Klaus Haag (2), Alexander Pohl/SZ Photo
Da musste die Münchner Polizei schnell handeln: Zu einer Demonstration am Nakba-Gedenktag der Palästinenser am Samstagnachmittag waren 500 Teilnehmer angemeldet, am Ende waren es in der Spitze knapp 4000. Um dem gerecht zu werden, orderte die Polizei zusätzlich Kräfte vom Fußballspiel im Stadion an der Grünwalder Straße an. 100 Beamte begleiteten die Veranstaltung letztendlich. Sie konnten aber aufatmen: Denn die Versammlung verlief trotz der brisanten politischen Lage störungsfrei.
Treffpunkt war am Marienplatz, dann liefen die Teilnehmer durch die Altstadt und das Glockenbachviertel, wo die Versammlung erst gegen 18.15 Uhr endete. Nur ein Vorfall bedurfte polizeilicher Hilfe: Ein Passant beleidigte eine Demonstrantin aus dem Zug, er wurde dafür angezeigt. Einige Demonstranten zogen danach noch zum Protestcamp an der Uni weiter.
Wie berichtet, könnte das pro-palästinensische Camp mit rund 100 Teilnehmern sogar bis in den Juni hinein erhalten bleiben. Die Anzeige für das Camp sei von den Veranstaltern vorerst bis zum 6. Juni 2024 verlängert worden, teilte das Kreisverwaltungsreferat am vergangenen Mittwoch mit. Derzeit werde geprüft, inwieweit es Kollisionen mit bereits angezeigten anderen Veranstaltungen an dieser Stelle gebe. Ein Bescheid sei noch nicht erlassen worden. Die CSU hat sich in diesem Kontext dafür ausgesprochen, antisemitische Studenten zwangsweise zu exmatrikulieren und Studenten aus dem Ausland notfalls auszuweisen.
Bei einer Berliner Veranstaltung am gleichen Tag hatte die Polizei weitaus mehr zu tun: Dort waren etwa 6200 Demonstranten vor Ort, erwartet worden waren 2000 Teilnehmer. Es habe vereinzelt Böllerwürfe gegeben und Pyrotechnik sei gezündet worden, sagte eine Polizeisprecherin. Der Protestzug wurde mehrfach gestoppt. Weil nach Polizeiangaben von dem Lautsprecherwagen an der Spitze aus verbotene Parolen gerufen wurden, durfte das Fahrzeug nicht mehr mitfahren. Es gab Auflagen: So waren beispielsweise Aufrufe zu Gewalttaten oder ehrverletzende Parolen verboten.
An Nakba-Tag erinnern Palästinenser an die Flucht und Vertreibung aus dem heutigen Staatsgebiet Israels im Zuge des ersten arabisch-israelischen Krieges 1948.