Der große Traum vom kleinen Haus

von Redaktion

Im Kreativquartier an der Dachauer Straße: Mieter planen Wohngebäude selbst

Durfte einfach mal experimentieren: Architekt Rainer Hofmann hat die Pläne entworfen.

So stellen sich künftige Bewohner und Architekt das neue Haus vor: Es gibt Gemeinschaftsräume und eine Multihalle.

Die Treppe soll auch zum gemeinsamen Verweilen einladen. © Schlaf, bogevischs buero

Architekt Rainer Hofmann ist mitten in einem neuen Bauprojekt, bei dem er einfach mal experimentieren kann. Er plant das große kleine Haus im Kreativquartier an der Dachauer Straße. Auf der Bauskizze fällt die Außentreppe ins Auge. Von den künftigen Bewohnern „Chaostreppe“ getauft, verbindet sie schwungvoll die Etagen. Sie wird zu einem Ort, an dem man zusammensitzen und die Sonne genießen kann. Warum die Bewohner die Treppe schon vor Baubeginn kennen? Sie haben sie selbst entworfen, so wie das ganze Haus. Denn das ist junges Genossenschaftswohnen.

2018 gründeten Rainer Hofmann und fünf weitere Architekten mit ihren Architekturbüros bogevischs buero und teleinternetcafe die Genossenschaft „Das große kleine Haus“. Hintergrund war Platzmangel im Büro und der Wunsch nach einem Experiment. Ihre junge Genossenschaft hat inzwischen über 100 Mitglieder, etwa 60 werden in das Haus einziehen. Vor allem Kreativtreibende sind Teil des Projektes, bei dem alle Altersklassen vertreten sind. Sie werden in 29 Wohneinheiten leben, von Kleinstwohnungen bis zu Familienapartments. Das zehnstöckige Haus wird aber nur zu 60 Prozent bewohnt sein. Der Rest ist Gewerbe, unter anderem mit Ateliers, einem Café und Hofmanns Architekturbüro. Insgesamt sind es 3000 Quadratmeter Nutzfläche.

Wände, Decken und Dächer des Hauses bestehen aus Holz. Beim Betrieb wird Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Es werden viele recycelte Elemente verbaut und Photovoltaik installiert. Bei den Wohnungen haben die Bewohner freie Hand. Zwar sind die Grundrisse gleich, sie können aber mit Trennwänden verändert werden. So können zwei kleine Räume zu einem großen Raum oder die Wände im Flur in zwei Positionen geschoben werden.

Rund 16 Millionen Euro kostet der Bau, der im Herbst begonnen und 2026 fertig werden soll. Die Finanzierung läuft über drei Säulen: Eigenkapital, Kredite und Fördermittel. Es ist eine hohe Belastung für die Genossen, die sich aber in der Zukunft auszahlen wird. Denn sie haben in ihrem gemeinschaftlichen Eigentum Bleiberecht. „Das Projekt funktioniert, weil niemand rausgeschmissen wird“, sagt der Architekt. Auch Fördertöpfe vom Freistaat und Bund werden angezapft. Der Quadratmeter kostet 11,50 Euro und 13,50 Euro, abhängig davon, in welche Förderkategorie die Wohnung fällt.

Durch gemeinsame Planung entsteht die Nachbarschaft schon vor dem Einzug. „Es führt auch zu einer Identifikation der Bewohner mit dem Projekt“, sagt der Architekt. Sie planen viele Gemeinschaftsräume. Es wird eine Multihalle geben, die man für kleines Geld mieten kann. In der „Bibliothek der Dinge“ kann nicht nur gebastelt werden, Bewohner können dort auch Geräte ausleihen. Die Dachterrassen werden zu 50 Prozent begrünt und laden zum Gärtnern ein. Und Gäste können in einem umgebauten Wohnwagen übernachten. AMELIE ROSÉE

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