Trudering will Schwebebahn zur Messestadt

von Redaktion

CSU bringt energiesparendes Konzept ins Spiel – Bezirksausschuss denkt über Workshop nach

Bequem zur Messestadt: die Kabine einer Ottobahn.

Schweben über den Straßen: So könnte die Ottobahn von Trudering zur Messestadt Riem aussehen. © Ottobahn

Mit der Ottobahn von Trudering in die Messestadt Riem – davon träumt die Truderinger CSU. Ottobahn? Gemeint ist eine Schwebebahn mit individuell abrufbaren Einzelkabinen. „Das Konzept ist einfach zu realisieren, modern, mit deutlich weniger Energieverbrauch als für S- und U-Bahn und kommt dem Individualverkehr sehr nahe“, sagt Antragsteller Frank Eßmann (CSU).

Obwohl pro Kabine nur bis zu vier Personen transportiert werden können, könnte die Ottobahn mit einer Kapazität von 6000 bis 8000 Personen pro Stunde in eine Richtung fahren, erklärt der Stadtteilpolitiker. Zudem seien die Schienen „einfach und kostengünstig zu montieren“. Genaue Zahlen gibt es aber nicht.

Vorstellbar ist für die CSU eine Trasse, die von Gronsdorf aus parallel zum Rappenweg und dann entlang der alten Flughafentribüne zur Willy-Brandt-Allee führt. Allerdings läuft genau hier gerade das Bebauungsplanverfahren für den fünften Bauabschnitt der Messestadt – und zwar ohne einen Schwebebahn-Korridor. Zudem ist hier immer noch ein neuer S-Bahn-Halt im Gespräch.

In der Messestadt könnte die Ottobahn dann auf der Willy-Brandt-Alle bis zum Messe-Freigelände neben der Straße hängen. In einer weiteren Planung könne der Ringschluss über die Nachbargemeinden und über Haar zurück nach Gronsdorf erfolgen, beschreibt Eßmann seine Wunschvorstellung.

Bei den Riem-Arcaden sei die Idee mit „großer Begeisterung“ aufgenommen und bereits Unterstützung angekündigt worden, erklärt Eßmann weiter. Seitens der Messe München würden gar schon erste Prüfungen, unter anderem zu den Kapazitäten der Ottobahn laufen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung verneint die Messe derartige Prüfungen jedoch. „Ob die Idee einer Ottobahn eine realisierbare Möglichkeit ist, müssen erst die konkreten Pläne und Untersuchungen von Verkehrsexperten zeigen“, so die Auskunft der Pressestelle. Auch beim Einkaufszentrum übt man Zurückhaltung. „Wir haben unsere prinzipielle Zustimmung für die Idee signalisiert“, sagt Manager Philipp Avramov auf Merkur-Nachfrage. Man werde sich gerne am weiteren Austausch beteiligen. Es gehe ja nur um eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema.

Der Bezirksausschuss Trudering-Riem denkt nun über einen Workshop nach, in dem er selbst Pläne für die Schwebebahn ausarbeiten könnte.

Gescheiterte Projekte

Für urbane Seil- oder Gondelbahnen gab es schon diverse Vorschläge. Die wohl Bekannteste: eine innerstädtische Seilbahn über dem Frankfurter Ring. Doch der Stadtrat gab im März alle Pläne diesbezüglich auf. Denn laut einer Studie sind die möglichen Verbindungen zu teuer und bringen nur wenig Nutzen. Weder für die Strecke zwischen Fasanerie und Studentenstadt (etwa 433 Millionen Euro) noch für die Trasse von Studentenstadt über die Isar nach Unterföhring (rund 160 Millionen) würde sich eine Seilbahn rentieren.

Der Stadtrat beauftragte das Mobilitätsreferat jedoch, weiterhin zu prüfen, ob es im Stadtgebiet, etwa in Verbindung mit der Region, Strecken gibt, auf denen eine Seilbahn einen verkehrlichen Nutzen bei vertretbaren Kosten bringen könnte.

Immer wieder geisterte auch die Idee einer Gondelbahn von Thalkirchen über die Isar nach Harlaching – mit Zwischenstopp am Tierpark Hellabrunn – durch diverse politische Gremien. 2019 beantragten die Linken, 2020 dann auch die Grünen im Stadtrat den Bau einer Standseilbahn von der S-Bahn-Station Siemenswerke über den Tierpark weiter zum Wettersteinplatz. Weil eine klassische Seilbahn ein erheblicher optischer Eingriff in den Isarraum wäre, gab es die Idee einer weitgehend im Tunnel geführten Bahn nach Vorbild der Hungerburgbahn in Innsbruck.

Die Stadt untersuchte die Machbarkeit erst gar nicht, sondern leitete die Ablehnung aus der Frankfurter Ring-Studie ab. Die Tierpark-Bahn komme nicht in Frage – aus Platzgründen, weil ein Tunnel sehr teuer wäre, weil mindestens drei Umlenkbauwerke nötig wären und weil sie eine Konkurrenz zur Tram auf der Grünwalder Straße wäre. Ähnlich lesen sich auch die Ablehnungen auf Anträge der Grünen für die Seilbahn-Strecken von der Dülferstraße nach Oberschleißheim und Garching sowie eine Tangente von Freiham nach Karlsfeld.

Investoren stellten 2020 im Münchner Osten eine mögliche „Sky-Transportation“ von der S-Bahnstation Leuchtenbergring über den Vogelweideplatz bis zum Gewerbegebiet am Hüllgraben vor – mit möglicher Verlängerung zur drei Kilometer entfernten Messe in Riem. Sowie eine zusätzliche Nord-Süd-Verbindung am Berg-am-Laimer-Bahnhof. Von den Überlegungen hat man danach nichts mehr gehört. Allerdings sollen der Vogelweideplatz sowie das Gewerbegebiet an der Zamdorfer Straße im Rahmen der städtischen Gewerbegebietsplanung langfristig zu einem modernen Büropark mit vielen Hochhäusern weiterentwickelt werden. Als ÖPNV-Anbindung ist eine Tram im Gespräch. CARMEN ICK-DIETL

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