Franz von Kobell machte seinerzeit das Foto.
Die Frauenkirche zählt zu den Wahrzeichen der Stadt.
Das älteste Foto Deutschlands zeigt den Dom vom Jesuitenkolleg aus. Gemacht wurde es vor 187 Jahren. © Deutsches Museum, Schmidt, dpa
Das müsste man mal genau anschauen – dachte sich Cornelia Kemp, langjährige Kuratorin für Foto und Film am Deutschen Museum, als ihr ein Bilderrahmen von 1939 unter die Hände kam. Darin unter Glas zu sehen: Deutschlands älteste Fotografien von 1839, erstellt von Franz von Kobell und Carl August Steinheil. Gesagt getan, eine Restauratorin öffnete auf Kemps Geheiß den Rahmen. Und siehe da, es kam eine aufgeregte Neuigkeit. „Mensch. Da steht 1837 auf einer Rückseite!“, wurde gemeldet.
„Das Bild der Frauenkirche, Deutschlands älteste Fotografie, ist also zwei Jahre älter als gedacht“, sagt Kemp, als sie gestern im Museumsarchiv das Foto noch einmal groß präsentiert. „Und mehr noch, im Zuge meiner Recherchen ist klar geworden, dass Franz von Kobell die Serie aus Papierbildern, der es entstammt, allein gemacht hat. Carl August Steinheil hat sich ab 1839 nur mit Daguerrootypien, also mit Metallfotografie beschäftigt.“
Kobell stellte sich an einem Märztag in den Hof des Jesuitenkollegs, um die Frauenkirche von vorne einzufangen. Er fotografierte die Liebe Frau noch aus zwei weiteren Perspektiven, dazu das heutige Café Tambosi – das Haus gehörte seinem Vater. Vier Bilder der Serie sind also auf 1837 datiert. Mit was für einer Kamera Kobell arbeitete, ist unbekannt, vermutlich nutzte er einen der eckigen Kästen mit Monokel-Linse, so wie sein englischer Foto-Kollege Henry Fox Talbot, der bereits 1835 sein Fenster fotografierte. Bekannt ist aber, was für Papier Kobell nutzte. „Es handelte sich um Papier, das mit Salz und Silbernitrat versetzt war“, erklärt Kemp. „Mit Ammoniak löste Kobell nach der Aufnahme die nicht belichteten Silberpartikel. So blieb das Bild, wenn auch farbnegativ und spiegelverkehrt, von Dauer.“ Später habe Kobell von seinen Negativen auch Positive hergestellt, indem er sie auf dünnes, mit Wachs getränktes Papier bannte, so dass sie belichtet werden konnten. Im Fall der Frauenkirche ist das Papier noch viel zu dick für eine Belichtung.
Dass Kobell mit seinen Fotos erst nicht an die Öffentlichkeit ging, lag laut Kemp daran, dass er ihnen keinen künstlerischen Wert beimaß. Als Mitglied einer Malerfamilie kannte er Aquatinta-Bilder seines Bruders, die die Frauenkirche sehr viel lebendiger darstellten als seine grauen Fotoversuche. Erst als Louis Daguerre zwei Jahre in Paris die Technik der Daguerreotypie öffentlich vorstellte, berichteten Kobell und Steinheil in der Akademie der Wissenschaften von ihren Versuchen, nach dem Motto „fotografieren tun wir doch schon lang!“.
Kobells Frauenkirche ist das älteste Foto Deutschlands – aber nicht das älteste der Welt. Der Franzose Nicéphore Niépce fotografierte 1826 die Aussicht aus seinem Fenster in der Bourgogne. Ein noch älteres Bild, angeblich von 1800, präsentierte 2008 die FAZ: ein Blatt.
Ausgestellt werden Kobells älteste Fotos im Moment nicht, da sie gekühlt archiviert und geschont werden. Sie sind aber allesamt, mit reichem Hintergrundwissen, in einem Buch von Cornelia Kemp zu sehen. Es heißt „Licht – Bild – Experiment“ und ist im Verlag Deutsches Museum erschienen (36 Euro). ISABEL WINKLBAUER