Pleite-Drama beim Sedlmayr

von Redaktion

Blick auf die Fassade in der Westenriederstraße 14. Im nächsten Jahr soll es wiedereröffnen.

Starkoch Hans Jörg Bachmeier mit seinem Vorgänger Rudi Färber (li.) vor zwei Jahren. Jetzt muss er den Sedlmayr schließen. © Bodmer (2), dpa

Wenn man auf die Homepage von „Beim Sedlmayr“ geht, dann kann man nur noch bis inklusive 29. Mai reservieren. Danach ist Schluss. Der Grund ist traurig und für den Wirt ein Drama: Hans Jörg Bachmeier hat Insolvenz angemeldet. „Das tut mir unendlich leid. Ich hätte gerne weitergemacht, aber unter diesen Umständen war es leider nicht mehr möglich“, teilt der Starkoch mit. Pleitedrama beim Sedlmayr – am Dienstag um 11 Uhr teilte Bachmeier seiner Belegschaft das Ende der kurzen Ära Bachmeier/Beim Sedlmayr mit.

Die vom Wirt angesprochenen Umstände sind vielfältig, und seine Übernahme stand unter keinem guten Stern. Rückblick: Der legendäre Wirt Rudi Färber hatte nach dem Tod Walter Sedlmayrs (siehe Kasten) die traditionsreiche Wirtschaft in der Westenriederstraße 14 übernommen und nach oben gebracht – unter anderem mit seiner berühmten Kronfleischküche und dem schon legendären Schweinsbraten. Im Herbst 2022 dann holte Färber seinen Kollegen und Spezl Bachmeier mit ins Boot. Färber wollte kürzertreten, nur noch Küchenchef sein und als Unternehmer aussteigen. Was bei zwei Koch-Platzhirschen den Suppentopf zum Überlaufen brachte: Bachmeier entließ Färber (der mittlerweile am Tegernsee kocht) und führte Laden und Küche in Personalunion. Bis jetzt.

Bachmeier war tief geknickt, als er das Ende bekannt gab: „Ich bedaure sehr, dass wir keine andere Lösung gefunden haben“, sagt er. Zum Zoff mit Färber (der ebenfalls schon Insolvenz angemeldet hatte) gesellte sich das leidige Thema Dauerbaustelle: Im Juni vergangenen Jahres wurden Schäden am Dach festgestellt, das Haus musste außerplanmäßig renoviert werden. Mehrere Monate lang verschwand die Institution hinter einem Gerüst. Viele Gäste blieben weg, auch die Freischankflächen auf dem Gehsteig waren futsch. Kein Sommergeschäft, monatelang. Die Umsätze brachen ein.

Wie im März 2023 berichtet, steht auch ein Pächterwechsel an: Die Großgastronomen Sebastian und Stephan Kuffler werden zum 1. Juli, also in einem Monat, den Sedlmayr vom bisherigen Pächter, der Paulaner-Brauerei, übernehmen. Die Brauerei bleibt aber nach alter Tradition der Bierpartner. Bachmeier hatte gehofft, dass Paulaner den Zeitraum des Pachtvertrags mit ihm über Ende Mai hinaus verlängert. Da wusste er noch nichts vom Pächterwechsel.

Jetzt steht erst einmal eine aufwendige Grundsanierung des Wirtshauses an. Veranschlagt wird dabei ein knappes Jahr. Wenn alles gut geht, teilt das Kuffler-Unternehmen mit, könne man im Frühjahr 2025 wieder eröffnen. Unter dem gleichen Namen „Beim Sedlmayr“ und als Münchner Wirtschaft. „Der Sedlmayr wird kein zweites Spatenhaus“, betonte Sebastian Kuffler 2023 bei der Bekanntgabe des Pächterwechsels. Bis zu 40 Sitzplätzen soll es ab 2025 mehr geben.

Ein Insolvenzverwalter wurde bestellt. Bachmeiers Restaurant „Genussfreuden“ ist nicht betroffen.

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