Ermittlungen an der Baustelle, nachdem im Dezember 2021 ein Blindgänger explodiert war. © Hartmann
Der Sperrbezirk könnte 300, 500 oder 700 Meter Radius haben. Was gilt, entscheidet sich am Freitag. © Feuerwehr
Schockmoment: Im Dezember 2021 ging ein Blindgänger an der Baustelle hoch. © Privat
Die Situation könnte kaum unberechenbarer sein: Entweder droht München am Samstag ein massives Verkehrs- und Bahnchaos, zudem könnte es nötig werden, dass hunderte Gebäude evakuiert werden müssen. Oder: Es passiert gar nichts. Denn erst am Freitag wird entschieden, was gilt. Dann ist klar, worauf Detektoren bei der Baustelle für die zweite Stammstrecke an der Donnersbergerbrücke gestoßen sind. Dort liegt in 3,5 Meter Tiefe ein metallischer Gegenstand. Im besten Fall handelt es sich um alten Schrott. Im schlechtesten Fall schlummert eine Weltkriegs-Bombe in der Erde, die am Samstag entschärft werden müsste. Nicht noch einmal soll es zu so einer Katastrophe wie im Dezember 2021 kommen: Damals explodierte ein Blindgänger bei Bohrungen. Ein Arbeiter verlor fast sein Leben, drei Kollegen wurden verletzt. Zudem richteten die Trümmer massiven Schaden an.
Die Experten des Kampfmittelräumdienstes legen den Gegenstand am Freitag frei und entscheiden dann, was zu tun ist. Sollte es sich tatsächlich um eine Weltkriegsbombe handeln, wird dann auch erst festgelegt, welchen Radius das Sperrgebiet bekommt: 300, 500 oder 700 Meter (siehe Karte). Für den Fall einer Evakuierung haben wir mithilfe der Feuerwehr Antworten auf alle Fragen zusammengetragen.
Wird der Mittlere Ring gesperrt? Ja, im Evakuierungsfall wird der Ring im Bereich der Donnersbergerbrücke in jedem Fall gesperrt. Es droht massiver Stau. Wer kann, sollte das Gebiet meiden. Auch für den Sperrbezirk gilt ein absolutes Fahrverbot für Busse, Trams, Taxis, private Autos und Räder ab 9 Uhr.
Fällt dann auch der Zugverkehr aus? Ja. Wie die Bahn mitteilt, kommt es im Evakuierungsfall ab 10 Uhr zu starken Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr. Zwischen Pasing und Hauptbahnhof geht dann gar nichts mehr. Die S-Bahn fährt in diesem Fall nach einem Sonderfahrplan.
Wo erfahre ich, ob evakuiert wird? Die Feuerwehr wird ab Freitagnachmittag auf ihrer Homepage www.feuerwehr-muenchen.de sowie auf Social Media alle wichtigen Informationen bekannt geben. Außerdem gibt es ein Bürgertelefon: Es ist ab sofort unter der Nummer 089/235355555 zu erreichen.
Muss jeder den Sperrbezirk räumen? Ja – und es gibt keine Ausnahmen. Jeder betroffene Bürger ist aufgefordert, den Sperrbezirk bis 9 Uhr selbstständig zu verlassen. Wer abgeholt werden muss, sollte sich um die rechtzeitige Abfahrt kümmern. Feuerwehr und Polizei werden – auch mit technischen Hilfsmitteln und dem Einsatz eines Helikopters – dafür sorgen, dass der Sperrbezirk auch wirklich menschenleer ist.
Wie lange dauert die Sperrung? Um 9 Uhr muss der gesamte Sperrbezirk geräumt sein, um 12 Uhr folgt die Entschärfung der Bombe, die mehrere Stunden dauern kann. Das Ende der Sperre wird im Rundfunk und via Internet bekannt gegeben.
Gibt es Unterstützung für Kranke und Menschen mit Behinderungen? Ja. Wer einen speziellen Transport benötigt, kann sich dafür registrieren lassen. Dies geschieht unter der Telefonnummer 089/19222. Dort sollte man sich möglichst frühzeitig unter der angegebenen Rufnummer melden.
Gibt es Orte, zu denen man während der Evakuierung gehen kann? Ja. Die Stadt richtet zwei Betreuungsstellen ein, zu denen auch Busse von den bekannten Haltestellen fahren. Die Betreuungsstellen sind das Wittelsbacher-Gymnasium am Marsplatz 1 und das Käthe-Kollwitz-Gymnasium an der Nibelungenstraße 51a.
Was nehme ich bei der Evakuierung mit? Betroffene sollen persönliche Dokumente wie Personalausweis, Führerschein oder medizinische Unterlagen mitnehmen. Gleiches gilt für dringend benötigte Medikamente.
Was ist mit Haustieren? In der Wohnung lassen oder mitnehmen. Ganz wichtig: In die Betreuungsstellen dürfen sie nicht mit.
Wie hinterlasse ich meine Wohnung? Die Feuerwehr rät: So, als wenn man in den Urlaub fährt. Die Fenster sollten auf jeden Fall geschlossen und die Rollläden heruntergelassen sein.