Darauf fahren alte Menschen nicht ab

von Redaktion

Ab Sonntag gibt‘s die Bahncard nur noch digital – Kritik kommt von der Seniorenvertretung

Die Fahrscheine bitte: Bei Kontrollen kann man künftig nicht mehr die Plastik-Bahncard vorzeigen. © Imago Stock

Elisabeth Robles-Salgado vom Seniorenbeirat kritisiert die Abschaffung der Plastik-Bahncard. © jens hartmann

Bald ist der Zug abgefahren: Ab diesem Sonntag werden die Bahncards 25 und 50 beim Neukauf nicht mehr als Plastikkärtchen ausgegeben. Das Rabattprogramm ist dann nur noch digital nutzbar, also auf dem Handy und in der App „DB Navigator“, die auch am Computer funktioniert. Zwar kann man die neue Bahncard bei Bedarf auch auf Papier ausdrucken – für den Kauf ist aber ein Online-Kundenkonto und damit eine E-Mail-Adresse nötig. Darauf fahren einige Senioren gar nicht ab!

Die Bahn (DB) begründet den Schritt auch mit Umweltbewusstsein. Dass die DB keine Plastikkarten mehr versende, spare „30 Tonnen Plastikmüll pro Jahr“, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Kritik kommt trotzdem von vielen Seiten, etwa von Elisabeth Robles-Salgado (68), der stellvertretenden Vorsitzenden des Münchner Seniorenbeirats.

„Die Bahncard macht Mobilität erschwinglicher – und Mobilität bedeutet gesellschaftliche Teilhabe“, sagt sie. Gerade Senioren seien gern im Zug unterwegs und treue Kunden. Die Umstellung führe zu Hürden für diese Gruppe. Elisabeth Robles-Salgado fordert deswegen Wahlfreiheit zwischen Plastik- und digitaler Bahncard. Denn: „Menschen, die keinen Internetzugang oder kein Smartphone besitzen, können nicht einfach ausgeschlossen werden!“ Und selbst Leute, die über beides verfügen, würden sich mit digitalen Angeboten manchmal schwertun.

Und es werden nicht nur ältere Menschen, sondern auch Kinder und Jugendliche diskriminiert, erklärt die Seniorenbeirätin weiter. Sie ist überzeugt: Für junge Menschen entstehen durch die digitale Bahncard ebenfalls Hürden. Etwa, weil nicht alle Eltern ihrem Nachwuchs ein Smartphone kaufen wollen – oder können.

Weitere Kritik kommt vom Bund Naturschutz: Es gehe der Bahn bei der Umstellung „nicht zuletzt auch darum, mehr Kundendaten zu generieren“. Das könne zwar bei der Angebotsverbesserung helfen – sollte aber nicht dazu führen, dass Bahnkunden gläsern werden, mahnt der Verband.

Laut Bahn werden im Fernverkehr 90 Prozent aller Tickets über die Webseite oder die App „DB Navigator“ gekauft, 78 Prozent im Nahverkehr – daher baue man digitale Angebote aus. Elisabeth Robles-Salgado hat noch eine Plastik-Bahncard und schon ein Kundenkonto. In ihrem Fall wird das bestehende Abo bei der Verlängerung in ein digitales umgewandelt. Wer noch kein Konto hat, muss erst eines anlegen. Dort ist dann auch das Dokument zum Ausdrucken zu finden.

Die Bahn betont die Vorteile der digitalen Bahncard – sie sei „immer und überall dabei“ und könne nicht verloren gehen. Zur Wahrheit gehört aber: Zur Nutzung ist neben E-Mail-Adresse und Kundenkonto auch ein voller Handy-Akku notwendig. Sollte der leer sein, kann man die Bahncard zwar innerhalb von 14 Tagen in einem DB-Reisezentrum vorzeigen. In dem Fall bezahlt man aber sieben Euro Bearbeitungsgebühr. Und wer das nicht tut, dem droht – wie allen Schwarzfahrern – ein erhöhtes Beförderungsentgelt. Mindestbetrag: 60 Euro. REGINA MITTERMEIER

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