Kritik an geplanten Carsharing-Stellflächen

von Redaktion

CSU im Osten der Stadt befürchtet einen massiven Verlust von Parkplätzen

Carsharing-Fahrzeuge sollen in der Stadt künftig feste Stellplätze bekommen. © Achim Frank Schmidt

In München soll es künftig feste Standplätze fürs Carsharing geben – zusätzlich zu den Mietautos am Straßenrand. Die CSU in Bogenhausen und Berg am Laim moniert erfolglos den massiven Verlust von Parkplätzen in München. Zudem könnte es sich mit dem geplanten Parkraummanagement beißen.

Es wirkt wie ein Taxi-Standplatz mit Autos zum Selberfahren. Im gesamten Stadtbereich soll es in Zukunft feste Carsharing-Stationen geben. Geplant sind bis zu 1600 Stellflächen, an denen dann sowohl Autos fürs sogenannte freefloating (ff) Carsharing als auch für stationsbasiertes (sb) Carsharing stehen sollen. So sollen zum Beispiel am Arabellapark fünf ff- und zwei sb-Stellplätze entstehen. Im Gegensatz zum sb-Carsharing muss beim Freefloating ein Fahrzeug aber nicht zwingend an einer bestimmten Stellfläche abgegeben werden. Deshalb soll das Abstellen am Straßenrand in München weiterhin bestehen bleiben. Die 1000 Parkplätze fürs Freefloating an den ausgewiesenen Standorten kommen also noch zusätzlich hinzu.

Die gewerblichen Anbieter bekämen hier fest zugesicherte Stellplätze an Verkehrsknotenpunkten, ärgerte sich Stadtrat und BA-Mitglied Jens Luther (CSU). Den Bürgern allerdings würden allein in Bogenhausen insgesamt über 130 Parkplätze wegfallen. Es werde nun reservierte Orte geben, wo stets ein CS-Auto zur Verfügung stehe, setzte Samuel Moser (Grüne) dagegen. Außerdem könnten sich die Nutzer längere Parkplatzsuchen ersparen. „Diese Faktoren sind bedeutsam, damit mehr Menschen Carsharing als attraktive Alternative zu privaten Pkw wahrnehmen“, sagt auch das Mobilitätsreferat. „Sinn und Zweck der Stellflächen ist es, die Freefloating-Fahrzeuge dort bevorzugt abzustellen.“ Denn ein Carsharing-Anbieter hat per Gesetz das Recht, seine Mietautos überall abstellen zu können. Eine Vorgabe, dass diese Autos nur an den definierten Stellplätzen abgegeben werden dürfen, ist aktuell nicht vorgesehen.

Unlogisch, fand Peter Reinhard (CSU). „Wer läuft denn bis zum CS-Standort, wenn er per App das nächste Fahrzeug in direkter Nähe buchen kann?“ Seien alle Fahrzeuge unterwegs, sei auch der Standort leer. Zudem habe Carsharing bislang nicht zur Reduzierung der Pkw-Zahl in München beigetragen. „Die Zahl der gemeldeten Autos steigt weiterhin.“

Die CSU forderte vor allem, das Konzept dort auszusetzen, wo künftig Parkraummanagement geplant ist. Der gleiche Einspruch kommt aus Berg am Laim. Auch hier will die CSU mit Mobilitätspunkten und Carsharing-Standorten warten, bis das lang angekündigte Konzept fürs Parkraummanagement vorliegt. „Das Angebot wird ja nicht ausgeweitet, sondern nur sortiert“, begründete Fabian Ewald (CSU), Stadtrat und BA-Vizechef. Die „strategische Maßnahme“ müsse als Ganzes durchgeführt werden, sonst funktioniere sie nicht, widersprach Alexandra Nürnberger (Grüne). „Man muss es einfach unangenehmer machen, ein eigenes Auto zu haben, nur so kriegen wir das in den Griff“, ergänzte Manuel Weiß (Grüne). Und dafür will man keine Verzögerung. Ewald hingegen will jedem Bürger die freie Entscheidung für oder gegen ein Auto lassen. Mit einer Teil-Vertagung der „Shared Mobility“-Konzepte blitzte man jedoch in beiden Bezirksausschüssen ab.

Zum Teil sind die neuen Carsharing-Standorte auch in sogenannte Mobilitätspunkte eingebunden. Davon sollen insgesamt 200 stadtweit an ÖPNV-Knoten und anderen interessanten Punkten entstehen, an denen dann in gebündelter Form Autos, (Lasten-)Räder, E-Tretroller und E-Motorroller ausleihbar sein sollen. Ohne Mietauto nennt sich das GAF (geteilte Abstellfläche für Mikromobilitätsangebote). Stadtweit sind etwa 475 solche GAFs geplant, die bis 2026 eingerichtet werden sollen. Sie gelten als Voraussetzung, um das wilde Abstellen von E-Scootern auf Gehwegen und in Grünanlagen zu unterbinden. In der Umgebung gäbe es dann nämlich dafür ein entsprechendes Parkverbot. CARMEN ICK-DIETL

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