Erntet heftige Kritik: die geplante Bebauung für das Grundstück an der Truderinger Straße.
Blaupause für den Negativ-Preis? An der Truderinger Straße entsteht derzeit ein neues Quartier. © Marcus Schlaf
Die Berg-am-Laimer CSU fordert einen städtischen Preis für Bausünden in München. Und nominiert auch gleich ein Neubauquartier im Stadtviertel als ersten potentiellen Preisträger. Im örtlichen Bezirksausschuss ist man zwiegespalten.
„Grauenvoll“ – mit fünf Ausrufezeichen. Die Kommentare in der Berg-am-Laimer Facebook-Gruppe lassen kaum ein gutes Haar an dem Bauprojekt an der Truderinger Straße. Seitdem im Baucontainer hinter Glas ein Modell der geplanten Häuser zu sehen ist, überschlagen sich die Negativ-Reaktionen. Ein paar Beispiele: „Wer ist für so ein städteplanerisches Desaster verantwortlich?“ „Schlimmer geht’s nicht.“ „Betonbrutalismus.“ „Ja, Pfui Deifi.“
„Diese Reaktionen verdeutlichen eine klare Unzufriedenheit mit dem äußeren Erscheinungsbild des Quartiers“, so Fabian Ewald (CSU), Stadtrat und stellvertretender BA-Vorsitzender in Berg am Laim. Die bunte Fassadengestaltung als einziges erkennbares Gestaltungsmerkmal sei deutlich zu wenig. Zeitgemäße Elemente wie Fassadenbegrünung würden vollkommen fehlen. Das 15-stöckige Hochhaus werde auch nach der Überarbeitung als außerordentlich störend im Stadtteil wahrgenommen. Der Entwurf sei ja sogar in der Stadtgestaltungskommission umstritten gewesen. Für Ewald wäre die „sehr langweilige und monotone, den Betrachter nahezu erschlagende Investorenarchitektur“ ein aussichtsreicher Kandidat für einen Bausünden-Preis.
Der CSU-Stadtrat fordert deshalb die Einführung und regelmäßige Verleihung eines städtischen Preises für besonders herausragende Bausünden in München. „Das ist kein Scherz, sondern sehr ernst gemeint.“ Vielleicht könnte man Architekturbüros und Investoren so dazu motivieren, sich mehr Mühe bei der Gestaltung zu geben und vermehrt Wert auf ein ansprechendes Erscheinungsbild ihrer Projekte zu legen. „Ein bisschen Zuckerbrot und Peitsche“, erklärt Ewald. Schließlich wolle sicher keiner am Ende so eine bissige Würdigung einheimsen. Bestenfalls könnte der Preis dadurch sogar dazu beitragen, die städtische Architekturqualität zu verbessern und das Bewusstsein für ästhetische Belange in der Stadtteilentwicklung zu schärfen.
BA-Chef Alexander Friedrich (SPD) hält die Idee für nicht umsetzbar. Architektur liege ja immer im Auge des Betrachters. „Wie soll man denn da die Jury besetzen?“ Zudem habe er noch nie irgendwo von einem solchen Preis gehört. Die Stadt habe so viel Erfahrung mit Preisen und Jurybesetzungen, da dürfte das kein Problem sein, findet hingegen Ewald. „Da geht viel: Interessensverbände, Architektur-Experten, Uniprofessoren, Stadtgestaltungsvereine.“ Wenn es Positiv-Auszeichnungen gebe, könne es auch Negativ-Preise geben. „Warum nicht mal was Neues versuchen?“ Im Bezirksausschuss ist man sich uneinig. Am Ende geht die Abstimmung unentschieden aus. Damit ist der Antrag abgelehnt.
ICK