Nichts geht mehr

von Redaktion

Kein Durchkommen: Olena Heorhinska muss einen Umweg in Kauf nehmen.

Domori M. dreht mit seinem Rad wieder um.

Autofahrer werden vor der Unterführung abgeleitet. © Markus Götzfried (3)

Erneuerung der Bahnbrücke an der Lindwurmstraße: Überreste von den Abbrucharbeiten. © Deutsche Bahn

Schon seit Ende März wird die über 100 Jahre alte Brücke abgebrochen, sie soll neu gebaut werden. Auch die Straße wird tiefergelegt. Zuerst war nur der Autoverkehr betroffen, er war nur noch stadtauswärts möglich. Seit 3. Juni – und noch bis zum 8. Juli – muss nun jeder Umwege in Kauf nehmen, entweder über die Bavariastraße oder über die Unterführung in der Tumblingerstraße. Der Autoverkehr wird vorher abgeleitet, in der Rushhour stehen die Autos in der Lindwurmstraße jetzt erst recht Schlange.

Vor allem für Fußgänger sind die Umwege lang, sie müssen schon mal bis zu 15 Minuten extra einplanen. Die Ukrainerin Olena Heorhinska (29), die von Süden kam und zum KVR wollte, hatte Glück: „Zum ersten Mal hatte ich keinen festen Termin für meine Aufenthaltsgenehmigung. Für Leute, die einen festen Termin haben und diesen deshalb verpassen, ist das echt ärgerlich.“ Heorhinska war schnell unterwegs. Für ältere oder gehbehinderte Menschen ist der Umweg aber schwer machbar. Es gibt zwar extra einen Shuttlebus – der ist allerdings schlecht ausgeschildert und bleibt deshalb oft leer.

Die Bahn hatte die Maßnahme im Vorfeld kommuniziert. Auch in den U-Bahnen der Linien U3 und U6 weisen Tonbandansagen die Fahrgäste in Deutsch und Englisch auf die Sperrung hin. Trotzdem kommt alle paar Minuten ein ahnungsloser Radler oder Fußgänger am Zaun an, der die Vollsperrung nicht so recht glauben kann. „Ich wollte zu einem Kurs ins Fitnessstudio auf der anderen Seite, den kann ich jetzt wohl vergessen“, sagt eine verärgerte junge Frau. Domori M. (63) steigt entnervt vom Fahrrad ab. „Das ist ja echt bescheuert!“ Er wollte zum Harras zum Einkaufen. Den Umweg nimmt er nicht in Kauf, er radelt woandershin.

Ab und zu aber hört man auch versöhnliche Töne. Eine ältere Frau zuckt mit den Schultern: „Mei, wenn die Arbeiten sein müssen, dann kann man nichts machen.“ Auf Nachfrage bei der Bahn erklärt ein Sprecher: „Die Komplettsperrung ist aus Sicherheitsgründen unbedingt erforderlich. Die Brücke wird abgebrochen, es fallen tonnenschwere Stahlträger und anderes Material auf die Straße und den Geh- und Fußweg.“

Voraussichtlich ab 8. Juli können Fußgänger die Unterführung auf der Nordseite wieder passieren, für den Rad- und Autoverkehr bleibt die Unterführung noch bis Anfang August in beide Richtungen gesperrt. Jetzt schon absehbar ist: Vom 24. Oktober bis 5. Dezember 2025 soll wieder alles dicht sein. Erst im Sommer 2028 werden die Arbeiten voraussichtlich komplett abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei rund 45 Millionen Euro, finanziert von der Deutschen Bahn und der Stadt München.

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