Kurt Damaschke, Vorsitzender des SVN München.
Kwam Walton, 2. Vorsitzender von München Basket.
Die Besketballerinnen von München Basket fürchten um ihre Trainingszeiten in der Halle an der Dachauer Straße. © A. Mayr, C. Ick-Dietl, München Basket
Wegen ständiger Beschwerden über zu wenige Hallenzeiten will das Zentrale Immobilienmanagement (ZIM) des Referats für Bildung und Sport die Auslastung der Münchner Sporthallen neu ordnen. Vor allem in Einfach- und Kleinsporthallen gibt es oft Belegungslücken, die wegen ihrer Uhrzeit oder ihrer Dauer kein Verein nutzen kann. Oder Vereine belegen große Hallen mit wenigen Sportlern, während große Mannschaften verzweifelt nach Trainingsorten suchen. Eine sinnvolle Neuordnung sowie eine Zusammenfassung an wenigen „Heimathallen“ könnte den Sportvereinen am Ende zusätzliche Belegungszeiten bescheren, so die Idee.
Doch das neue Konzept für die Sporthallenbelegung treibt viele Sportfunktionäre nun auf die Palme. Man werde Abteilungen zusperren müssen, einige Vereine die Hallenreform nicht unbeschadet überstehen, heißt es. Wie zum Beispiel die Tischtennis-Abteilung des SVN München. Bislang hat der Verein eigene Platten in einer Neuperlacher Schulturnhalle stehen. Nun soll er in zwei anderen Hallen mehr Platz bekommen. „Wir können aber nicht in zwei verschiedenen Hallen Platten unterbringen“, sagt der Vorsitzende Kurt Damaschke. Besser wäre in einer großen Halle erst das Jugend- und danach das Erwachsenentraining anbieten zu können. Für eine andere Sportart wurde dem Neuperlacher Verein eine Einzelstunde in einer Halle des Werksviertels am Ostbahnhof angeboten. Für Kinder nicht machbar, selbst für Senioren zu weit entfernt. „So rein formal kann man doch kein Konzept machen.“
Auch München Basket, der größte Basketballverein Bayerns, hadert mit den ZIM-Plänen. „Nach den Berechnungen haben wir mehr Belegungszeit, faktisch sind es weniger“, sagt der zweite Vorsitzende Kwam Walton. Bisher nutzt man eine Doppelhalle an der Dachauer Straße. Die Zeit dort wird nun auch doppelt gerechnet, da man ja auch zwei Mannschaften quer trainieren lassen könnte. Gleichzeitig wurden deshalb andere Hallen gestrichen. „Nur hat die Halle keinen Trennvorhang und keine querlaufenden Spiellinien.“ Den Basket-Damen, die als höchstes Frauenteam Münchens in der 2. Bundesliga spielen, seien nur zwei Trainingszeiten pro Woche zugestanden worden. „Die Konkurrenz trainiert drei- bis viermal die Woche.“ Am Ende könne es für den Verein bedeuten, dass er priorisieren muss, meint Walton. „Mache ich weiter Breitensport, muss ich den Mannschaften in der Bundes- und Regionalliga absagen – oder umgekehrt.“
Auch die Siemens-Sportgemeinschaft aus Ramersdorf erschreckt die Änderungen. „Wir verlieren rund 50 Prozent unserer Nutzungszeiten und werden in den Abend verschoben, damit fahren wir unseren Verein an die Wand“, prognostiziert Vizevorstand Stefan Schwaiger. Seine Halle gehört zu keiner Schule, Tageszeiten-Blockierungen für den Schulsport machten also keinen Sinn. Die Senioren der Gymnastikabteilung – 200 von rund 900 Mitgliedern – würden nach 20 Uhr keinen Sport mehr treiben wollen. „Damit droht das Ende dieser Abteilung.“ Ebenso wie beim Kinderturnen. Gerade erst habe man mit dem Baureferat für 25 000 Euro eine Vereinsgastronomie im Untergeschoss aufgebaut. Wenn nun der Sportbetrieb auf 20 bis 23 Uhr verlagert werde, entziehe man der die wirtschaftliche Grundlage. Insgesamt sei die Existenz des Vereins bedroht. „Nicht nur als ehrenamtlicher Sportfunktionär, sondern auch als Bürger bin ich ziemlich frustriert, wie das ZIM hier mit der groben Sense vorgeht“, so Schwaiger, „ohne daran zu denken, welchen Verlust die Stadtgesellschaft dadurch erleidet.“
Die Rückmeldungen der Vereine werden laut RBS nun geprüft. Danach wolle man schauen, „wie Härtefälle vermieden werden können“, so ein Referatssprecher. Die Zeit drängt. Nachdem die Pläne Mitte Mai an die Vereine verschickt wurden, lief vergangene Woche die Einspruchsfrist ab. Noch diesen Monat soll das finale Belegungskonzept erstellt werden, im Juli soll der Stadtrat es beschließen, damit es bereits zum nächsten Schuljahresbeginn in Kraft treten kann.