Die Schotten erobern die Stadt

von Redaktion

Es ist eine freundliche Invasion, die München vor dem heutigen Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft erlebt. Abertausende Schotten tauchen die Stadt in Blau und Weiß und feiern die Rückkehr ihrer Mannschaft auf die große Fußballbühne.

Jimmy Tuite mit seinen Freunden im Hofbräuhaus.

Stuart Cameron mit Dudelsack am Marienplatz.

Weite Anfahrt: Schottische Fußball-Fans campen am Pilsensee. © Andrea Jaksch

Schottische Fans gestern in der Münchner Fußgängerzone. © Bradley Collyer, dpa, Julian Limmer

Ein Dudeln schallt über den Marienplatz. Stuart Cameron (50) aus Aberdeen (Schottland), rot-grün karierter Kilt, angegrautes Haar, steht zwischen Stühlen und Tischen und bläst in seinen Dudelsack, was das Zeug hält. Andere Schotten stimmen ein, singen, ja brüllen mit. Einige erheben sich von ihren Stühlen, recken Masskrüge gen Himmel. Am Ende singt fast der ganz Außenbereich vor Wildmosers Restaurant inbrünstig die schottische Nationalhymne mit. Es ist 11.44Uhr am Marienplatz. München ist mit Schotten dicht.

Sie alle sind gekommen, um mit ihrem Team mitzufiebern – im Stadion oder anderswo. Die deutsche Nationalelf spielt heute Abend um 21 Uhr gegen Schottland, es ist der Auftakt der EM. Der schottische Fußballverband rechnet damit, dass dafür mindestens 60000 Schotten nach München kommen. Das macht sich auch bei Wildmosers Restaurant am Marienplatz bemerkbar: „Bei uns sind jeden Tag mehr als 1000 Schotten. Die sind wild“, sagt Betriebsleiter Dominik Knoll.

Teilweise auch zu wild. Bei einem Streit zwischen mehreren Schotten am Mittwoch warfen zwei Betrunkene einen Stuhl und einen Masskrug auf eine Gruppe Unbeteiligter. Zum Glück verletzte sich niemand. Am selben Abend randalierte eine Gruppe von rund 50 schottischen Fans im Wirtshaus Spöckmeier: Lampen und Gläser gingen zu Bruch. Das seien jedoch Ausnahmen, sagt Knoll vom Wildmoser: „Es sind zwar viele und sie sind laut – aber sie feiern friedlich!“ In der Regel zumindest.

So wie Dudelsackpfeifer Stuart Cameron. Er ist mit sieben Schotten angereist. Seine Pläne für die nächsten Tage? Dudelsack spielen, Bier trinken und Fußball schauen. „So einfach ist das“, sagt er. Tickets fürs Stadion hat er nicht ergattert, aber egal. Er rechnet mit einem Sieg seiner Mannschaft gegen Deutschland – das gelang seinem Team bei einer EM noch nie. Doch Stuart findet: „Wenn Harry Kane das Beste ist, was die Bundesliga zu bieten hat – dann hat Deutschland ein Problem.“ Klar: Bei einem echten Schotten geht nichts ohne einen Seitenhieb gegen den ewigen Rivalen England, dessen Nationalmannschafts-Kapitän Kane ist.

Ein paar Straßen weiter im Hofbräuhaus spielt bayerische Blasmusik, doch es sind fast so viele Schottenröcke wie Lederhosen zu sehen. Dazu tragen Jimmy Tuite (57) aus Glasgow und seine Freunde bei. Er trägt zum Kilt ein Deutschlandtrikot der 54er-Weltmeister. „Das Wunder von Bern, große Show“, sagt er. Ob er für Deutschland ist? „Auf keinen Fall!“

Er und seine Freunde reisen der schottischen Mannschaft „auf der ganzen Welt“ hinterher, sagt er. Doch Bayern gefalle ihnen besonders. Sei doch klar, sagt ein Freund von Tuite: „Ihr mögt deftiges Essen, Bier und Fußball, wir auch.“

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