Boateng vor Gericht

von Redaktion

Dritte Runde – „Habe einen Fehler gemacht“

Ex-Bayern-Kicker Jérôme Boateng auf dem Weg zur Anklagebank im Landgericht. © M. Stache

„Hohes Gericht, ich habe einen Fehler gemacht“: So beginnt Fußball-Profi Jérôme Boateng seine Rede, in der er vor dem Landgericht München I einen gewalttätigen Streit mit seiner Ex-Lebensgefährtin Sherin S. beschreibt. Wieder einmal. Denn der Vorfall aus dem Jahr 2018 wird zum dritten Mal verhandelt. Der Ex-Bayern-Spieler soll seine frühere Partnerin, mit der er zwei Kinder hat, während eines Urlaubs auf den Turks- und Caicos-Inseln mit einem Windlicht und einer Kühltasche beworfen, sie übel beschimpft und danach ins Gesicht geschlagen und geboxt haben. So lautet die Anklage. Wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde er deswegen 2021 verurteilt, 2022 zum zweiten Mal. Doch Boateng leugnet. Darum läuft nun der zweite Berufungsprozess.

Trotz dieser Einleitung gab es auch diesmal kein Geständnis. Vielmehr meint Boateng mit „Fehler“: „Hätte ich damals die Ruhe bewahrt und wäre im Bungalow geblieben, wäre vermutlich nichts passiert. Es wäre nicht zu der Rangelei gekommen, bei der mir Frau S. die Lippe aufschlug.“ S. habe ihn zu einem Schubser provoziert, der Rest sei gelogen. „Hätte ich sie wirklich geschlagen, hätte sie ganz andere Verletzungen erlitten“, sagte er, „dann hätte sie am nächsten Tag nicht mehr tanzen können.“ S. habe ihn nur angezeigt, um Geld von ihm zu bekommen. „Es ist immer dieselbe Erklärung, die wir bei häuslicher Gewalt hören“, kommentierte dazu trocken Carolin Lütcke, Anwältin von Sherin S., die als Nebenklägerin auftritt. „Die Frau lügt angeblich, weil sie Geld will. Wir haben hier aber keine Aussage-gegen-Aussage-Situation. Es gibt Zeugen.“

Hauptzeugin ist eine Freundin von Sherin S., die an dem Abend dabei war. Sie sagt am kommenden Freitag aus. In die Beweisaufnahme einbezogen werden aber auch Nachrichten, die Boatengs spätere Freundin Kasia Lenhardt (†25) 2019 an Sherin S. schickte. „Ich hab’s nicht geglaubt, aber schau, er hat mich auch geschlagen“, ist darin sinngemäß zu lesen. Dazu schickte sie Fotos von Verletzungen, was „für uns natürlich relevant ist“, wie Staatsanwältin Stefanie Eckert erklärt. Lenhardt nahm sich 2021 nach einem Streit mit Boateng das Leben.

In den ersten Prozessen wurde Boateng zu 1,8 (da spielte er bei Bayern), dann 1,2 Millionen Euro (bei Olympique Lyon) verurteilt. Jetzt, da er beim Linzer ASK spielt, würde im Fall einer Verurteilung der Tagessatz für eine Strafe wohl weiter sinken. Einen Deal, den die Richterin vorschlug, lehnten Staatsanwaltschaft und Nebenklage ab. Sie wollen das Verfahren zu Ende führen. I. WINKLBAUER

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