MÜNCHNER FREIHEIT

Das Gegenteil von Imagearbeit

von Redaktion

An was sich wohl die lustigen Schotten erinnern? – „An nichts“, sagt meine Freundin Anna und zeigt ein Video vom vergangenen Freitag: Der Marienplatz voller leerer Bierkästen, so als hätte man damit den Rathausturm im Maßstab 1:1 nachgebaut – und dann umgestoßen. Man bedenke: Irgendwo muss auch das zugehörige Bier verschwunden sein. Kann schon sein, dass die lustigen Fußballfans mit ihren Kilts und Dudelsäcken in unserer Stadt die wesentlichen Szenen des Films „Hangover“ nachspielten. Bei der Leistung, die die schottische Nationalmannschaft im Eröffnungsspiel ablieferte, ist für die Fans ein Filmriss à la „Hangover“ auch nicht die schlechteste Option.

Natürlich gäbe es viele Erinnerungen, mit denen man München-Touristen nach Hause schicken möchte: Die Schönheit der Isarauen, das Leuchten des Odeonsplatzes, der Münchner Grant, diese einzigartige Mischung aus schlechter Laune und Menschenliebe.

Gleichzeitig gibt es Münchner Momente, von denen ich hoffe, dass sie, na ja, in der Familie bleiben.

Letzten Freitag zum Beispiel, zwei Stunden vor dem Beginn des neuen Sommermärchens, entdeckte ich an der Wittelsbacherbrücke zwei Polizisten. Im Gegensatz zu fast allen ihrer Kollegen waren sie nicht damit beschäftigt, für die Sicherheit unserer Gäste zu sorgen. Stattdessen warteten sie am Ende der Brücke auf Fahrradfahrer, die – Achtung! – auf der falschen Seite über die Brücke radelten. Das sind die Münchner Probleme, wenn die Welt grad auf unsere Stadt blickt! Ich will nicht ungerecht sein: Fahrradwege sind Einbahnstraßen, schon klar. Und ich habe mich selbst auch schon oft genug über Geisterradler geärgert. Aber, liebe Münchner Polizei, muss man ausgerechnet in einem Moment, da ein neues Sommermärchen beginnen soll, so außerordentlich korrekt sein? Zum Vergleich: Natürlich muss man eine Fahrkarte erwerben, wenn man die Münchner U-Bahn nutzen will. Aber ich habe wirklich noch nie erlebt, dass die MVG am ersten Wiesn-Samstag um 23 Uhr Kontrolleure in die U5 schickt.

Doch wer weiß: Vielleicht war die Polizeikontrolle eine subtile Drohung an alle Verbrecher der Stadt: Schaut her, wir haben selbst in Moment des größten Stresses noch zwei Polizisten übrig. Im Moment verteilen sie nur Knöllchen, aber bei Bedarf hätten sie auch Zeit für Euch. Das mag vielleicht sogar wirken. Aber Imagearbeit für die „Weltstadt mit Herz“ sieht anders aus.

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