Bergheirat: Böltl (re.) mit Thomas Gierling. © privat
Dieses Wochenende feiern Hunderttausende in München den „Christopher Street Day“ (CSD). Eine Riesenparty, das für Toleranz werben soll. Doch die friedliche Feier-Fassade hat Risse: Die Gewalt gegen Queers hat stark zugenommen. Und die CSU wurde von den Organisatoren erneut ausgeschlossen.
Das ärgert Maximilian Böltl (41). Der Münchner ist offen schwul, verheiratet – und sitzt für die CSU im Landtag. Er kritisiert die CSD-Veranstalter scharf. Und er warnt: Die Streitigkeiten in der Mitte stärken nur Extremisten. Böltl über
…die Bedeutung des CSD: „Man muss sich vergegenwärtigen, was ältere Generationen durch den CSD erreicht haben. Dass ich mit meinem Mann in der katholischen Kirche geheiratet habe, das ist heute Gott sei Dank selbstverständlich.“
…die Sicherheitslage: „Es gab 2023 insgesamt 190 Fälle von queerfeindlicher Gewaltkriminalität in Bayern. 2022 waren es noch 96. Und da gibt es sicher eine hohe Dunkelziffer. Nimmt man den durchschnittlichen Ausländeranteil von 40 Prozent bei Tatverdächtigen in Bayern an, müssen wir uns auch mit dem Problem zugewanderter Queerfeindlichkeit auseinandersetzen. Persönlich kann ich solche Erlebnisse oder Kommentare zum Glück an einer Hand abzählen. Aber es gibt zunehmend Momente, vor allem wenn man abends in München unterwegs ist, wo man sich nicht mehr sicher fühlt.“
…die Ausladung der CSU: „Der CSD ist eine Bewegung, die sich gegen Diskriminierung einsetzt und für Vielfalt. Wenn gerade so eine Veranstaltung jemanden ausgrenzt, dann ist das sehr schade. Da frage ich mich: Setzt man den Fokus richtig mit dem Motto gegen rechts und damit indirekt auch gegen die CSU? Die man in Bayern als CSD auch braucht, um Anliegen durchsetzen zu können. Im Freistaat gibt es übrigens viele andere CSD-Veranstaltungen, in denen die CSU ganz selbstverständlich mit eingebunden ist.“
…die Kritik aus der queeren Community: „Die Entscheidung wird dort absolut kontrovers diskutiert. Das sieht man auch am Beispiel des Wirts der Deutschen Eiche, Dietmar Holzapfel, der deshalb aus der Partei Rosa Liste ausgetreten ist.“
…seine Erwartungen an den CSD: „Dieses Ausgrenzen spaltet – in einer Zeit, in der wir mehr Miteinander so sehr brauchen gegen Extremismus und gegen Islamismus. Die richtige Antwort darauf wäre jetzt ein enges Miteinander der Gesellschaft aus der demokratischen Mitte heraus. Die umfasst das politische Spektrum von links, also progressiv, bis rechts, also konservativ.“ THOMAS GAUTIER