Der doppelte Söder am Gärtnerplatz

von Redaktion

Besuch in der „Deutschen Eiche“: Ministerpräsident will CSU wieder beim CSD sehen

Amüsiert: die Grünen-Politikerin Claudia Roth beim CSD mit Dietmar Holzapfel und seinem Papp-Söder.

Ministerpräsident Markus Söder beim Gespräch auf der Dachterrasse der „Deutschen Eiche“. © Marcus Schlaf

Mit Blick über Münchens Dächer: Der Chef des Szenelokals „Deutsche Eiche“, Dietmar Holzapfel (li.), mit seiner Söder-Pappfigur und dem echten Söder (re.). © Marcus Schlaf

Gut, Markus Söder ist sowieso sehr präsent in Bayern – aber gestern gab’s in München etwas Neues zu bestaunen: eine Verdopplung des Ministerpräsidenten. Der echte Landesvater war zu Besuch im Hotel „Deutsche Eiche“ im Gärtnerplatzviertel und traf dort auf sich selbst – in Form eines lebensgroßen Papp-Aufstellers. Hintergrund: Söder wollte mit „Deutsche Eiche“-Wirt Dietmar Holzapfel sprechen, einem der wichtigsten Vertreter der Münchner Schwulen-Bewegung. Im Nachgang des Christopher Street Day (CSD) gibt es viel aufzuarbeiten. Denn: Die Münchner CSU hatte an der Polit-Parade nicht mit einem eigenen Wagen mitfahren dürfen (wir berichteten). Söder, der die CSU in den vergangenen Jahren gesellschaftspolitisch liberaler ausgerichtet und schwule Wählergruppen mit der Aussage umworben hat, die CSU müsse die „Schutzmacht für Minderheiten“ sein, sieht das sehr kritisch. Er sagte gestern: „Der CSU-Ausschluss war für mich sehr überraschend, denn der CSD hat ja heute vor allem Feier-Charakter.“ Und: „Zur Ausgelassenheit passt Ausladung nicht!“

Holzapfel war in der Folge aus der Rosa Liste ausgetreten – eben weil die hinter dem CSU-Ausschluss stand. Söder hat den Hotelier mit dem Titel „Bundespräsident der Schwulenbewegung“ geadelt. Der wiederum war seiner präsidialen Funktion bereits bei der CSD-Parade nachgekommen und hatte dorthin den Papp-Söder mitgebracht. „Ich musste bis zur obersten Stelle gehen, um eine Genehmigung dafür zu bekommen“, berichtet Holzapfel. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: „Ganz viele Leute wollten ein Selfie mit mir und der Figur – und ich habe keine einzige blöde Bemerkung gehört.“ Und Söder ergänzt schmunzelnd: „Also für eine Pappfigur mit Hundehalsband hätte ich keine Genehmigung erteilt.“ Stattdessen trug die Figur ein Herz mit der Aufschrift „Doch dabei“.

Einige Münchner CSU-Granden wie Fraktionschef Manuel Pretzl und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner wollten aber leibhaftig Präsenz zeigen: Sie fuhren bei der Parade auf dem Wagen des amerikanischen Generalkonsuls Timothy Liston mit, der sie eingeladen hatte. Das alles sorgte für viel Wirbel – vielleicht für mehr als die eigentlich angestrebten Botschaften der Veranstalter. Söder sagt in der Nachbetrachtung. „Die Organisatoren haben sich, glaube ich, keinen Gefallen mit dem Ausschluss getan.“ Er hofft, dass die Münchner CSU nächstes Mal wieder mit eigenem Wagen mitfahren darf.

Hintergrund des Ausschlusses war unter anderem die Haltung der CSU zum Angleichungsgesetz gewesen, das die körperliche Selbstbestimmung und Veränderungen und des Personenstands im Personalausweis vorsieht. Söders Meinung: „Es gibt sehr viele Menschen, die im falschen Körper geboren sind – und die wollen natürlich eine Angleichung. Doch bei den Kindern habe ich Schwierigkeiten!“ Er bekräftigt seine ablehnende Haltung zu Hormonbehandlungen und geschlechtsverändernden Operationen bei Jugendlichen. In den vergangenen Jahren hat die queere Szene eine beträchtliche Wandlung durchlaufen. Während vor 35 Jahren Schwule und Lesben noch die Abschaffung des Paragrafen 175 forderten, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, wünschen sich queere Menschen heute unter anderem Unterstützung bei der Geschlechtsangleichung und mehr Anti-Diskriminierungsmaßnahmen.

Holzapfels Ehemann Josef Sattler berichtet: „Der CSD hat 90 000 Euro Minus gemacht – auch bedingt durch hohe Auflagen. Das Defizit soll nach Meinung der Organisatoren die Stadt ausgleichen. Allein schon deshalb ist der Ausschluss der CSU dumm – denn die braucht man, falls in München wieder Schwarz-Rot regiert.“ Söder rät den Organisatoren des CSD, „in sich zu gehen und vernünftige Gespräche zu führen, damit die CSU im nächsten Jahr wieder dabei ist“. GABRIELE WINTER

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