Tetra-Pak-Kunst gegen die Verschwendung

von Redaktion

Community Kitchen startet Aktion mit 25 Künstlern gegen weggeworfene Lebensmittel

Symbolisiert die Lebensmittelverschwendung in Sendling: Künstlerin Andrea Unterstrasser mit ihrem Werk „Tetrello“.

Bambam (Franz Nagel) arbeitet an seinem Werk „TetraTonne“, für das er 5303 Deckel verwendet.

Künstlerin Melanie Langendorf: Ihr Werk bedeutet „Unsern Müll können wir nicht fressen“. © Hauke Seyfarth Fotografie (3)

Die Community Kitchen (ComKit) will in den nächsten vier Wochen mit einer großen Kunst- und Bildungsaktion auf die immense Lebensmittelverschwendung in München aufmerksam machen. Für die Aktion „TETRAP-ACt on Foodwaste“ wurden in den letzten Monaten insgesamt 132 809 gebrauchte Tetra Paks gesammelt – genau die Anzahl an Kilos, die laut ComKit in München verschwendet werden. 25 Künstler haben die Verpackungen nun zu unterschiedlichen Kunstwerken für alle 25 Münchner Stadtbezirke verarbeitet.

Ab Sonntag, 30. Juni, sind die Werke einen Monat lang an diversen Orten aufgebaut, unter anderem am Pasinger Rathaus, am Harras, am Alten Botanischen Garten und im Riemer Park. Die Kunstwerke für insgesamt elf Stadtbezirke, unter anderem für die Schwanthalerhöhe, Moosach, Bogenhausen und Allach, sind am Hanns-Seidel-Platz in Neuperlach aufgebaut. Überall soll es auch Workshops für Schulen und Kindertagesstätten geben, um Kinder für das Thema Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren.

Rund 77 000 Euro kostet die Aktion, davon sind 57 000 Euro Personalkosten. Zur Finanzierung hat die ComKit in den vergangenen Wochen in jedem Bezirksausschuss einen Zuschuss von jeweils 2322 Euro beantragt. Mit den insgesamt rund 58 000 Euro an städtischen Geldern sollten Honorare, Öffentlichkeitsarbeit, Transport und mehr bezahlt werden. Allerdings zahlen nicht alle BAs. In Trudering-Riem gab es beispielsweise nur 1000 Euro, andere Gremien lehnten komplett ab.

„Wir wollen unser Geld nicht für Müll ausgeben“, meinte Stefan Hofmeir (ÖDP) in Berg am Laim. Allein für die Entsorgung am Ende der Aktion rechnet die ComKit mit Kosten von mehr als 3700 Euro. Auch in Ramersdorf-Perlach gab es kein Geld, obwohl die Grünen dafür warben. „Das ist doch eher ein Symbol für die Umweltverschmutzung“, fand Rudolf Schabl (FW). In Obergiesing gab es zwar die volle Summe, aber auch deutliche Kritik daran, dass offenbar noch gar keine Kontakte zu den Kitas und Schulen hergestellt wurden.

„Warum 25 Kunstwerke, warum nicht weniger, die dann durch die Stadt touren?“, fragte CSU-Stadtrat Fabian Ewald. „Es ist nicht unser Anspruch, im Kleinen anzufangen“, antwortete Natalie Gath von der ComKit. „Man kann nicht im Ehrenamt die Welt retten, die hauptamtlich zerstört wird.“ Zudem sei die Community Kitchen kein Verein, sondern ein „Social Business“.

„Wir wollen mit der Kunst die Masse an verschwendeten Lebensmitteln visualisieren“, so ComKit-Gründerin Günes Seyfarth. Allerdings differieren die Angaben. Auf der Webseite sind es 168 500 Kilo, die jeden Tag an verzehrfähigen Lebensmitteln in den Haushalten in München weggeworfen werden. Beim Projekt werden nun plötzlich rund 36 000 Kilo weniger angegeben. Dabei nennen die Lebensmittelretter aber präzise Zahlen für jedes Stadtviertel. So werden laut ComKit in Neuhausen-Nymphenburg täglich 8447 Kilo verschwendet, in Au-Haidhausen sind es täglich 5310, in Altstadt-Lehel nur 1752 Kilo.

Offenbar reine Rechenspiele. Die ComKit leitet sie von einer Studie im Auftrag des Bayerischen Ernährungsministeriums aus dem Jahr 2022 ab, erklärt Gath auf Anfrage. Demnach wirft jeder Bürger in Bayern jährlich rund 70 kg an Lebensmitteln weg, von denen 31 kg vermeidbar gewesen wären. Macht täglich 85 Gramm pro Kopf. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl Münchens kommt man so auf knapp 133 000 Kilo.

Mit den Einwohnerzahlen pro Viertel lassen sich dann die Angaben für die einzelnen Stadtbezirke ausrechnen. Über die tatsächliche Lebensmittelverschwendung in München gibt es offenbar keine Belege. Bei der Stadt und den Abfallwirtschaftsbetrieben kennt man jedenfalls keine Zahlen. CARMEN ICK-DIETL

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