Die Bier-Fässer stehen schon für die große Fußball-Party bereit.
Arwed Raab ist der Mann hinter dem Public Viewing im Olympiastadion. Dort wurden schon viele Spiele der deutschen Nationalmannschaft live übertragen. © Martin Hangen
Noch einen Tag vor dem Achtelfinalspiel (heute Abend, 21 Uhr) steht die Monster-Mattscheibe in Österreich, knapp 400 Kilometer vom Olympiastadion entfernt. Erst um 9 Uhr des Spieltags soll der Super-Screen in München ankommen, neun Stunden vor dem Anpfiff. Es muss dann schnell gehen, sehr schnell. „Wir müssen alles innerhalb von Stunden hinstellen: Bild, Licht und Ton. Das wird sportlich“, sagt Projektleiter Arwed Raab (74). Aber: „Es muss klappen.“ Ein Rückspiel für sein Projektteam gibt es nicht.
Raab, sportlicher Typ, grauweißes Haar, steht oben auf der Tribüne im Olympiastadion, blickt ernst auf das Spielfeld unten. Fünf Arbeiter legen dort zwei Tage vor dem Spiel mit einem Gabelstapler einen Schutzboden für den Screen aus, über einer Fläche von über 1000 Quadratmetern. Platte für Platte. Die hellgrünen Tribünen drumherum, leer. Es wirkt wie die Ruhe vor dem Sturm. Das täuscht. Raab und sein rund zehnköpfiges Organisationsteam sind längst mittendrin: „Normalerweise plant man solche Sachen auf ein halbes Jahr, jetzt mach ma‘s halt auf vier Tage“, sagt Raab.
Die Stadt hatte diese Woche kurzerhand verkündet, die Fan-Zone im Olympia-Park zu erweitern (wir berichteten). Sobald die reguläre Fläche am Olympiasee voll ist, wird das Stadion aufgesperrt. Dort können vorerst noch mal 20000 Fans auf der Nordost-Tribüne mitfiebern. Gezeigt werden sollen alle Deutschlandspiele sowie die Matches, die in München ausgetragen werden. Für Samstag rechnen die Veranstalter mit einem riesigen Ansturm.
Seit dem Entschluss bekommt Raab Anrufe im Minuten-Takt, ständig klingelt es. Alle wollen was. Allein in seinem E-Mail-Postfach sind 614 Mail, unbeantwortet. Doch Raab ist Profi durch und durch, er gehört quasi zum All-Star-Team im Olympiapark. Seit 35 Jahren betreut er dort Events, rund 50 pro Jahr. „Bis auf Olympische Spiele habe ich alles gemacht.“ Doch so ein Event wie jetzt in so kurzer Zeit auf die Beine stellen? Da sei Druck drin: „Das gehört schon zu den großen Dingen meiner Laufbahn.“
Die Zeit läuft: Nicht nur der Screen musste organisiert, auch ein Sicherheitskonzept für das Stadion musste erarbeitet werden. Das sieht vorerst rund 200 Ordner vor. In Zeiten von Personalnot schwer zu beschaffen. Allein der polizeiliche Hintergrundcheck der Sicherheitsleute dauere Tage. Immerhin: 280 Fässer Bier stehen bereit. Und der Rest? Raab bleibt zuversichtlich. Schließlich stehen erfahrene Leute im Hintergrund am Spielfeldrand. „Ich vergleiche unseren Job oft mit einem Schiedsrichter: Am besten ist der, der nicht auffällt.“ Und er ist von seinen Schiriqualitäten überzeugt.