Für die DFB-Elf halten wir zusammen

von Redaktion

Für die DFB-Elf ruht die Münchner Fan-Fehde: Christian Häuslmaier (l.) und Gregor Stojanovic. © Markus Götzfried

„Servus, du rote Drecks**!“ – „Ja, griaß di, blauer Prolet!“ Die Begrüßung zwischen Christian Häuslmaier (57) und Gregor Stojanovic (51) ist erst einmal irritierend. Aber spätestens, wenn sich die beiden danach herzlich lachend in die Arme nehmen, merkt man: Das ist eine Neckerei unter Freunden.

Denn FC-Bayern-Fan Gregor und der TSV-1860-Anhänger Christian müssten sich eigentlich spinnefeind sein. Aber die Liebe zur deutschen Nationalmannschaft hat sie vereint. Zusammen sind die Münchner während der Europameisterschaft zu bislang allen Spielen der DFB-Elf gefahren.

Beide sind Mitglieder im offiziellen Fanclub Nationalmannschaft des DFB. Etwas skeptisch waren sie schon bei ihrem ersten Zusammentreffen 2008 bei einem Länderspiel in Basel. „Aber wir waren uns schnell sympathisch“, sagt der blaue Christian. „Wenn Deutschland spielt, gibt es kein 60 und kein Bayern, kein Schalke und kein Dortmund.“ Außerdem respektiere er den roten Gregor vor allem, „weil er a Roter ist, durch und durch – nicht nur ein Erfolgsfan“. Und der Bayern-Fan ist ohnehin geübt im friedlichen Miteinander mit dem vermeintlichen Erzfeind: Denn sein Bruder ist Sechzig-Fan.

Die Liebe zum FC Bayern kam beim selbstständigen Elektriker Gregor nicht durch die Familie. „Das war eindeutig Sepp Maier, der mich dazu gebracht hat.“ Der Neurieder ist seit 2012 FCB-Mitglied – und auch in einem Fanclub aktiv. Christian ist ein Löwe aus dem Bilderbuch: Er ist in Obergiesing geboren, einen Kilometer entfernt vom Grünwalder Stadion – und lebt noch immer da. Schon der Vater und der Opa waren Sechzger. Seit 31 Jahren hat der Angestellte eine Jahreskarte und verpasst kein Heimspiel. „60 ist einfach ein nahbarer Verein, da kann man auch zum Training gehen und bekommt Autogramme.“ Heute trägt Christian ein Löwen-Tattoo auf seiner Brust und ist hart im Nehmen: „Liebe kennt keine Liga.“ Außerdem hat er mit der Nationalmannschaft ja ein zweites Standbein. „Da hat man auch mal Erfolg“, sagt er.

Für die deutschen Jungs nehmen die Münchner weite Wege in Kauf: Christian war beispielsweise schon bei den Weltmeisterschaften in Russland und Katar dabei, Gregor unter anderem bei der EM 2016. „Ich habe Glück und einen sehr flexiblen und verständnisvollen Arbeitgeber. Und ich bin unglaublich dankbar, dass meine Frau so verständnisvoll ist“, sagt Christian. Das Hobby ist nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig. Immerhin: Die Ticketpreise für die DFB-Spiele halten sich für Fanclub-Mitglieder in Grenzen: Das EM-Auftaktspiel hat Christian nur 50 Euro gekostet (siehe Kasten).

Die Freunde sind bei jedem EM-Spiel der Deutschen live im Stadion dabei. Auch am heutigen Freitag sind sie zusammen in der Arena in Stuttgart. Gregors Sohn hat zwar an diesem Tag Abi-Feier, „aber glücklicherweise vormittags …“ Beide sind sich einig, dass es eng wird gegen die Spanier. „Jeder muss alles für die anderen geben. Und dann brauchen wir noch das nötige Glück, vielleicht schaffen wir es dann“, so der Bayern-Fan. Egal, ob Sieg oder Niederlage: Sollten Bayern-Spieler wie Musiala oder Sané im Viertelfinale patzen, darf sich das Gregor noch lange von Christian anhören. Denn in der Tiefe ihrer Herzen sind die beiden Freunde halt doch ein Blauer und ein Roter.

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