Neulich beobachtete ich in einer Wirtschaft das heitere Geplänkel zwischen dem Ober und einem Paar, das ein bissl über die besten Jahre hinaus war. Es wurde im Vorbeigehen, beim Bestellung-Aufnehmen und Servieren charmiert (zur Dame), geflachst und dezent dableckt zwischen Kellner und Mann. Es war sonnigst klar, dass die beiden Stammgäste waren, und das „Reserviert“-Schild gewiss nicht nur heute und zufällig auf dem zweiten Tisch in der Reihe rechts, vom Eingang aus gesehen, stand. Ich dachte, dass das Duo die Stammtisch-Vorhut bildete; aber nein, die Eheleute – wie ich vermutete – waren einander genug. Und schließlich wurden sie ja von der Bedienung herzerfrischend, doch stets höflich bespaßt. Die würden wiederkommen.
Während ich meine Schweinswürschtl mit Kraut auf gut Bairisch „verdruckte“, kam tatsächlich eine Stammtisch-Runde hereingetröpfelt. Erst eine Frau, die die Tür im Auge behielt: „Hier Sigi! Kennst mi nimmer?“ Sigi war, für mich uneinsehbar, wohl vor dem Eingang aufgetaucht. Trat ein wenig tattrig herein, konterte allerdings so geistig wendig wie chevaleresk mit: „Helga, Du schaugst hoit heit bsonders schee aus!“ Na ja, ein doppeldeutiges Kompliment und damit eine elegante Retourkutsche. Ich schmunzelte auf meine Würschtl hinunter über den Spruch des alten Herrn, der mit seinem vollen Haar immer noch gut aussah und sicher einst als Stenz die Madln bezaubert hatte. Bevor sich die Stimmung zwischen Helga und Sigi eintrüben konnte, war die übrige Truppe angekommen und sortierte sich schwatzend und lachend um den Tisch. Auftritt Kellner, alles gut!
Nachdem ich obendrein eine heitere Geburtstagsgesellschaft beobachtet hatte, die ebenfalls von der Gastrokraft aufmerksam, zügig und unaufdringlich versorgt wurde, war klar: In diesem Wirtshaus wird allerhand richtig gemacht, schließlich war die Konkurrenz drumherum nicht gerade klein. Hier fühlt sich der weibliche Wanderclub auf der Rast genauso wohl wie der Rentner, der ungestört eine Stunde vor seiner Hoiwn hocka derf, wej’s fia eam mehra ned leit.
Mir fielen die Aktivitäten ein, die die Regierung anstoßen will, um die Einsamkeit zu bekämpfen. In diesem Restaurant sorgten wohl dessen Leitung und vor allem der Ober ganz en passent dafür, das Alleinsein zurückzudrängen und zu mildern. Wie’s sich halt für ein gscheites bayrisches Wirts- oder Kaffeehaus gehört. Aber, schoss es mir durch den Kopf, was tun die Menschen, deren Geldbeutel einen solchen Besuch oder ein Treffen im Museum ganz zu schweigen von Theater und Kino samt Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nie hergibt? Die werden in die Einsamkeit gezwungen. Vereine wie Lichtblick Seniorenhilfe, den unsere Zeitung unterstützt, sind in solchen Fällen zum Glück: ein Lichtblick.
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