Auf dem Mittleren Ring fließt viel Verkehr: Das sorgt für schlechte Luftwerte. © Wolfgang Weber, Imago
Die Blitzer an der Tempo-30-Stelle am Ring sind mittlerweile scharf. © Achim Schmidt
Am 3. Juni senkte die Stadt das Tempolimit an diesem Abschnitt des Mittleren Rings von 50 auf 30 – um die Luftwerte zu verbessern (wir berichteten). Laut der Münchner Polizei halten sich viele aber nicht daran. Denn: Allein in den ersten zwei Wochen wurden hier 1000 Autofahrer geblitzt!
Ein Sprecher auf Anfrage: „Im Zeitraum vom 9. bis 23. Juni wurden etwas mehr als 1000 Fahrzeuge im angefragten Bereich gemessen, die sich nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit gehalten haben und sich gemäß dem bundesweit gültigen Bußgeldkatalog im Beanstandungsbereich befanden.“ Die Fälle ab 24. Juni sind laut Polizei noch nicht bearbeitet.
Klar ist aber: In nur zwei Wochen Fahrverbot hat sich die Zahl der Geblitzten in etwa verdoppelt. Laut Polizeisprecher blitzte es hier vor dem neuen Tempolimit in 14 Tagen rund 500 Mal – danach waren’s 1000. Immerhin gibt’s laut Polizei einen Abwärtstrend. In der zweiten Woche wurden 100 weniger geblitzt als in der ersten. Diese Entwicklung werde sich „erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen fortsetzen“.
Vor dem 9. Juni waren die Blitzer gar nicht in Betrieb, weil unklar war, wer für sie zuständig ist. Das Problem: Als noch Tempo 50 galt, war die Polizei für den Blitz-Betrieb verantwortlich. Wegen der Änderung auf Tempo 30 war dann aber nicht sicher, ob nicht vielleicht die Stadt den Hut aufhat. Laut Polizei ist zwar noch immer nicht geklärt, wer für die Messungen eigentlich zuständig ist – die Blitzer laufen aber mittlerweile trotzdem.
Die Tempo-30-Zone soll die Luftwerte entlang der Straße verbessern. Denn: An der Landshuter Allee wurde auch im Jahr 2023 der EU-Grenzwert von 40 µg/m3 für Stickstoffdioxid überschritten. Nach einem Gerichtsurteil setzte eine knappe Mehrheit von SPD/Volt und CSU/Freie Wähler im Stadtrat in der Folge das Tempolimit an diesem Abschnitt durch – und verhinderte ein generelles Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge innerhalb des Mittleren Rings. Damit ist der Ring an dieser Stelle eher zum Schleich-Weg geworden – jedenfalls für ein Jahr, denn so lange läuft die Maßnahme als Verkehrsversuch.
Ob das Tempolimit die Luft verbessert hat, kann die Stadt noch nicht sagen. Eine Sprecherin des Mobilitätsreferats auf Anfrage: „Für eine Beurteilung, ob die Maßnahme zur Verbesserung der Luftqualität geeignet ist, müssen mindestens die Daten von drei Monaten evaluiert werden. Inwieweit dann eine verlässliche Aussage möglich ist, hängt von den gewonnenen Daten und Erkenntnissen ab.“