Ihr Leid darf nie vergessen werden

von Redaktion

Stadt bringt Erinnerungszeichen für sechs jüdische Opfer des NS-Regimes an

Carry Brachvogel

Siegmund Hellmann

Henriette Heilbronner

Bernhard Hausner

Erinnerungszeichen am Marienplatz. © jantz, stadtarchiv (4)

Ihre Namen stehen für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Da ihr Leid unter den Nationalsozialisten nie vergessen werden darf, setzt die Stadt München am heutigen Donnerstag und am 17. Juli in Schwabing und im Glockenbachviertel neue Erinnerungszeichen für gleich sechs jüdische Münchner. Darunter ist die bekannte Schriftstellerin Carry Brachvogel (1864 – 1942), ihr Bruder, der jüdische Historiker Prof. Dr. Siegmund Hellmann (1872 – 1942) und Julie Weinmann (1849 – 1936). Am zweiten Termin, kommenden Mittwoch, werden Erinnerungszeichen für die Geschwister Josef Hausner (1844 – 1935), Bernhard Hausner (1853 – 1942) und Henriette Heilbronner (1860 – 1942) am ehemaligen Wohnort der Familie an der Hans-Sachs-Straße angebracht.

Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten installiert, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Die vergoldeten Zeichen aus gebürstetem Edelstahl enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.

Heute um 16 Uhr findet zu Ehren von Carry Brachvogel, Siegmund Hellmann und Julie Weinmann eine Gedenkveranstaltung in der Seidlvilla statt. Teilnehmen werden Stadtrat Stefan Jagel in Vertretung des Oberbürgermeisters und Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Im Anschluss werden dann die Erinnerungszeichen an dem ehemaligen Wohnort der NS-Opfer an der Herzogstraße 55 (Schwabing) gesetzt. Brachvogel veröffentlichte über 40 Romane, in denen sie das Leben der Frau thematisiert. An der Herzogstraße unterhielt sie einen viel beachteten literarischen Salon. 1913 gründete die Autorin den Münchner Schriftstellerinnen-Verein, dem später ein Hilfsfonds folgte. 1933 musste sie als Jüdin aus dem Verein austreten und durfte nicht mehr publizieren.

Seit 1936 lebte Brachvogels Bruder Siegmund Hellmann bei ihr, den die Nationalsozialisten seines Lehrstuhls in Leipzig enthoben hatten. Hellmann lehrte zudem an der Ludwig-Maximilians-Universität und setzte sich als Linksliberaler mit politischen Themen auseinander. Auch Julie Weinmann, die sich zusammen mit ihrem Ehemann für wohltätige Zwecke engagierte und in ihrer Villa am Starnberger See, dem heutigen Haus Buchenried der Volkshochschule, viele Künstler empfangen hatte, verbrachte ihre letzten Lebensmonate in der Wohnung Brachvogels und verstarb dort 1936. Im Juli 1942 wurden die Geschwister in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hellmann wurde dort am 20. November, Brachvogel am 7. Dezember 1942 ermordet.

Am 17. Juli eröffnet Stadträtin Nimet Gökmenoglu um 16 Uhr die Gedenkveranstaltung an der Hans-Sachs-Str. 13 (Isarvorstadt) für die Geschwister Josef Hausner, Bernhard Hausner und Henriette Heilbronner, anschließend spricht Charlotte Knobloch ein Grußwort. Über das Leben von Josef Hausner ist wenig bekannt. Sein Bruder Bernhard war Inhaber der Firma Gbr. Hausner, einem Woll- und Fellgroßhandel am Oberen Anger 45. Henriette Heilbronner (geborene Hausner) lebte nach der Scheidung von ihrem Mann seit 1907 bei ihren Brüdern. Sie und Bernhard Hausner wurden im Juni 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, in dem Hausner am 11. Oktober und Heilbronner schließlich am 24. November ermordet wurden.
MILA MILKOVIC/ NINA BAUTZ

Artikel 8 von 11