Mithilfe einer VR-Brille lässt sich beim Oktoberfest Game in eine virtuelle Wiesn-Welt eintauchen. © Marcus Schlaf
Es geht vertikal nach oben, in schwindelerregende Höhen. Die Münchner Skyline blitzt vor dem Horizont auf, Paulskirche und Bavaria. Der Abendhimmel taucht die Kulisse in ein sattes Rosa. Der Blick geht nach unten: Die Buden, die Bahnen, die Bierzelte am Boden werden kleiner, man blickt auf ein Meer aus blinkenden Lichtern. Und dann: Auf einen Schlag geht es rasant nach unten, sekundenschnell. Eine Fahrt im Free-Fall-Tower auf der Wiesn, viele kennen das Fahrgeschäft. Doch diese Fahrt passiert gerade nicht auf der echten Wiesn, sondern in einem Konferenzraum in Untergiesing. Möglich macht das virtuelle Realität, die einen das Oktoberfest durch eine Brille erleben lasst.
Es geht um das offizielle Oktoberfest Game – ein Spiel, das es möglich macht, ganzjährig auf die Wiesn zu gehen, Riesenrad zu fahren und im Bierzelt zu feiern. Und man muss dazu nicht mal aus dem Haus gehen. Alles ist eben virtuell.
Erschaffen hat diese computergenerierte Wiesn-Welt die Münchner Entwicklerfirma K5 Factory in Kooperation mit der Stadt. „In der Pandemie kam die Frage auf, was machen wir, wenn das Oktoberfest weiter nicht stattfindet?“, sagt K5-Geschäftsführer Oliver Simon. Seine Lösung: „Virtuelle Räume kreieren, wo die Menschen gerne hingehen.“ Von der Idee bis zum fertigen Spiel sind rund vier Jahre vergangen. Gestern wurde das Game Pressevertretern vorgestellt. Zum Anstich am 21. September soll es dann offiziell für alle an den Start gehen. Man braucht nur eine Quest VR-Brille der US-Firma Meta. Das Game an sich ist kostenlos.
So funktioniert es: Brille über den Kopf und schon ist man auf der Theresienwiese, alleine oder mit Freunden. Jeder Spieler bekommt eine eigene virtuelle Figur, einen Avatar. Über eingebaute Mikrofone kann man mit anderen Spielern plaudern. Greifen lässt sich mit zwei Kontrollern, die man in den Händen hält. Zugegeben: Die Spiel-Charaktere erinnern eher an Comic-Figuren – und auch sonst sieht die virtuelle Welt aus, wie einem gewöhnlichen Videospiel entsprungen.
Der 3D-Effekt ist schon sehr beeindruckend. Es fühlt sich wirklich so an, als würde man selbst über die Wiesn schlendern. Es gibt Bierhallen, Fahrgeschäfte und Buden: Man kann virtuell Dosenwerfen, Autoscooter fahren oder ins Bierzelt gehen, um sich zum Beispiel selbst als Musikant auf der Bühne auszuprobieren. Das virtuelle Gelände ist dem echten Fest nachempfunden. Und die Atmosphäre? Auch hier haben sich die Macher bemüht, sie so original wie möglich wiederzugeben: „Unsere Teams sind mit Mikrofonen über die echte Wiesn gelaufen, um Klänge aufzunehmen“, sagt Thomas Wagner von K5. Diese sind nun auch im Spiel zu hören. Nur Bier trinken – das geht virtuell noch nicht.
JULIAN LIMMER