Die Gastgeber Peter Reichert und Franziska Kohlpaintner.
Rosi Schuhegger zapft das Bier gekonnt vom Fass.
Prost: Maria Maier, Lena Nagler, Melina Hinterland, Daniela Schmid, Melina Hofmeister und Katharina Mayer (v.l.).
Drei Generationen Bräurosl: Die frischgekürte Bräurosl Rosi Schuhegger (Mitte) mit ihrer Vorgängerin Verena Gaulinger (links) und der kultigen Ur-Bräurosl Carolin Weidner. © Fotos: Martin Hangen
Wie sollte es auch anders sein? Die neue Bräurosl heißt Rosi! Genauer: Rosi Schuhegger. Und obwohl der Name natürlich von Anfang an ein gutes Omen war, hat die Schwabingerin am Dienstagabend bei der Wahl zur neuen Bräurosl vor allem mit Können überzeugt. Ihr Fanclub jubelte durch das Atrium im Donisl, als ihr auf der Bühne die blaue Samtschürze mit der Aufschrift „Bräurosl 2024“ verliehen wurde.
Auch aus den Reihen der Jury gab’s Applaus. Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU), Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne), die bisherige Bräurosl Verena Gaulinger, Schauspielerin Laura Oswald, Influencer Sandrocap und TV-Moderator Alex Onken mussten unter sieben feschen Bewerberinnen die perfekte Bräurosl finden. Sie sollte in Anlehnung an die Brauertochter Rosi Pschorr des Bairischen mächtig sein, den Wiesn-Einzug hoch zu Ross bewältigen können und im gleichnamigen Festzelt für Stimmung sorgen können.
In mehreren Runden mussten sich Maria Maier (22) aus Gmund am Tegernsee, „Miss Weißwurst“ Lena Nagler (23), Melina Hinterland aus Dachau, die Influencerin Daniela Schmid (27), Melina Hofmeister (21) aus Schleißheim, Herbstfest-Bedienung Katharina Mayer (28) und eben Rosi Schuhegger behaupten. Am Anfang stand ein knackiger Wissenstest an. Das Thema? Natürlich die Wiesn!
Wie viele Böllerschüsse ertönen, bevor der Oberbürgermeister anzapft? Wo zapft er an? Wie viele große Festzelte gibt es auf dem Oktoberfest? Solche Fragen brachten so manche Kandidatin zum Stammeln. Nur die Rosi nicht. Auf die Frage „Wie viele Sitzplätze fasst das Festzelt Bräurosl?“ konnte sie sofort mit „8250“ antworten – und lag goldrichtig.
Die Rosi hatte sich nicht nur gut vorbereitet, sondern bringt auch jede Menge Erfahrung mit. „Ich bin großer Bräurosl-Fan und in dem Festzelt seit 30 Jahren Stammgast“, erzählte sie der Jury stolz. Auf 30 Jahre Erfahrung kommt Rosi, weil sie 52 Jahre alt ist. Damit war sie die älteste Kandidatin, die zur Wahl zur beliebten Wiesn-Kultfigur angetreten ist.
Ihre Frau stand die gebürtige Berchtesgadenerin auch, als es um Geschick am Zapfhahn ging. Sie legte den gläsernen Krug an den Zapfhahn und hob kurze Zeit später eine bernsteinfarbene Mass Bier mit schaumiger Krone in die Luft. „Eine so gut eingeschenkte Mass kriegt man auf der Wiesn ja nicht so oft“, witzelte Stefan Schneider, der als Moderator durch den Wahlabend führte. Gscheid geprischelt hatte zwar die ein oder andere Kandidatin, auf der Bühne aber konnten schließlich alle Prosit trinken, bevor sich die Jury zur Beratung zurückzog.
Carolin Weidner – mit 27 Jahren Amtszeit eine Rekord-Bräurosl – ahnte da schon, wer das große Rennen für sich entscheiden könnte. Die 67-Jährige verfolgte die Wahl als Gast. „Meine Favoritin ist ja die Rosi“, verriet sie auf Nachfrage und schwelgte dann in eigenen Erinnerungen. „Das heute kann man nicht mit damals vergleichen. Die Regeln waren viel strenger. Ich musste ein ganz bestimmtes Dirndl, ein Münchner Mieder, und eine akkurate Steckfrisur tragen.“
Mit dem neuen Wiesn-Zelt, das Peter Reichert und Franziska Kohlpaintner seit 2022 führen, bläst auch frischer Wind um die Bräurosl-Figur. Weidners Nachfolgerin Verena Gaulinger trug ihr Haar stets offen und holte die Bräurosl via Instagram ins 21. Jahrhundert. „Natürlich schlüpft man in eine Rolle, aber man darf der Bräurosl auch ruhig Charakter geben“, sagte sie. „Wichtig ist, dass man so bleibt, wie man ist, offen auf die Leute zugeht und a richtige Gaudi hat!“
Und genau diesen Rat hat Rosi Schuhegger nach ihrer Kür intuitiv in die Tat umgesetzt. Sie bat die neue Bräurosl-Kapelle „Die Karolinenfelder“ um ein Ständchen – und zum „Böhmischen Herz“. „Ich singe gern, auch, wenn ich es nicht kann“, sagte die neue Bräurosl hinterher. Sie hat aber ja noch 64 Tage Zeit zum Üben, bis die Wiesn beginnt. Besonders freut sie sich auf den schwulen „Rosl-Montag“.
Berger und Baumgärtner sind zufrieden mit ihrer Wahl. Sie fiel einstimmig auf Rosi. „Die Wiesn ist eine Traditionsveranstaltung und die Bräurosl gehört dazu“, sagte Baumgärtner. „Und als Rampensau lebt die Rosi die Wiesn mit jeder Faser ihres Körpers.“
CORNELIA SCHRAMM