Ihr bitteres Schicksal

von Redaktion

Die Münchner Designerin Susanne Wiebe (69) hat Long Covid

Abgemagert: Susanne Wiebe beim Sommerfest.

Ein Bild aus glanzvollen Zeiten: Susanne Wiebe, eingerahmt von Models, die ihre Kreationen zeigen. © Weissfuss, API

Und plötzlich war der Laden in der Martiusstraße in Schwabing leer. Einfach leer. Ohne Nachricht. Wochen- und monatelang fragten sich Kundinnen, darunter viele Prominente wie Jutta Speidel oder Michael May, was mit der Münchner Modedesignerin Susanne Wiebe (69) passiert war. Jahrzehntelang war ihr Geschäft ein Dreh- und Angelpunkt für Mode- und Kunstliebhaber. Mit ihren Inszenierungen, Salons und Partys vereinte Susanne Wiebe alle kreativen Welten; sie war ein ständig netzwerkendes Energiebündel. Umso verstörender, dass kein Telefonanruf mehr zu ihr durchdrang, sie hob einfach nicht mehr ab.

Manch einer wähnte sie in Salzburg, wo sie zu Festspielzeiten stets ihren Pop-up-Store im Hotel Bristol eröffnete – mit Party und allem Drum und Dran. Und im Frühjahr 2023 eröffnete sie sogar einen kleinen Laden. Doch dann, nach den Festspielen im vergangenen Jahr – Sendepause. Kein Ton mehr von Susanne Wiebe, keine Einladung, kein Instagram-Post, nichts. Dann und wann sah man noch die eine oder andere Kreation auf einem roten Teppich, vor allem ihre Plissée-Teile, die in 25 Jahren nie aus der Mode gekommen sind und die Jutta Speidel immer noch regelmäßig trägt; da verknittert nichts, sie passen sich jedem Körper an, und man sieht immer gut aus. Aber wo war die Schöpferin? Die Diplom-Designerin?

Die Antwort fand sich am Montag beim Sommerfest der Beauty-Ärztin Maja Henke, auf deren Vitamin-Infusionen viele schwören. Da war sie plötzlich wieder: Susanne Wiebe. Stark abgemagert und längst nicht mehr so gesprächig, wie man sie kennt. „Ich war sehr krank – Long Covid. Ich habe die Vitamin-Infusionen ausprobiert, um wieder zu Kräften zu kommen, deshalb bin ich hier.“ Das erklärt, warum Susanne Wiebe keine Kraft mehr für ihr Geschäft hatte.

Vielleicht ist es aber noch viel mehr; Susanne Wiebe hatte die letzten Jahre viel zu verkraften. 2013 starb völlig überraschend ihr Lebens- und Arbeitsgefährte, der akademische Bildhauer und promovierte Philosoph Dr. Hans Matthäus Bachmayer († 72), mit dem sie 18 Jahre lang zusammenlebte und arbeitete; viele Kunst-Installationen und Shows schufen sie gemeinsam. Er hatte sie auch durch schwere Zeiten getragen: 1997, als Susanne Wiebe Insolvenz anmelden musste, gründete er eine neue Firma für den Vertrieb der Wiebe-Mode und war bis zu seinem Tod Geschäftsführer.

Irgendwann trat dann der Kunsthistoriker Dr. Karsten Temme in Susanne Wiebes Leben, der Dr-To-Go, wie er sich im Internet präsentiert. Man kann ihn sich als Begleiter buchen – vom Abendessen über Museumsbesuche oder Reisen. Aber auch er hatte die vergangenen Jahre gesundheitlich schwer zu kämpfen. Susanne Wiebe kämpfte mit ihm an seiner Seite.

Und dann war da noch Corona. Geschäftlich eine Katastrophe, weil Partymode nicht mehr gefragt war, gesundheitlich sowieso. Noch lebt Wiebes Geschäft in der Martiusstraße zumindest im Internet weiter. Bei Google öffnet es jeden Tag, außer montags, um 10 Uhr. Alles wie immer, stünde der Laden nicht schon seit über acht Monaten leer. Die Firma Yago Lila Kunst- und Modevertriebs Gmbh ist aufgelöst. Nur auf der Homepage künden noch strahlende Models in prachtvollen Roben von glanzvollen Zeiten.
ULRIKE SCHMIDT,

ANDREA VODERMAYR

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