Sollte bis 2026 entstehen: Das MucOne-Gebäude an der Adolf-Kolping-Straße nahe des Stachus.
Im Bau: Das schicke Elementum am Hauptbahnhof war einst Vorzeigeprojekt der Firma. © Herzog & De Meuron, Imfarr
2021 von Imfarr gekauft: die Highlight Towers in Schwabing. Inzwischen hat Oaktree die Mehrheit übernommen.
Sie haben mit großen Immobilien-Deals in Deutschland für Aufsehen gesorgt: Jetzt geht aber bei den Projektentwicklern der österreichischen Imfarr nichts mehr. Wie der ORF berichtet, hat das Unternehmen mit Sitz in Wien Insolvenz angemeldet. Betroffen sind rund 110 Gläubiger sowie 18 Beschäftigte. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 604 Millionen Euro. Nachrichten, die auch für München nichts Gutes bedeuten. Hier hatte Imfarr mehrere Projekte am Laufen. Darunter das Bahnhofs-Quartier Elementum.
Dass die Abbrucharbeiten am ehemaligen Postbank-Gebäude an der Ecke Paul-Heyse-Straße und Bayerstraße nach wie vor laufen, hat einen Grund. Wie berichtet, besitzt Imfarr schon seit Mitte 2023 nicht mehr die Mehrheit am Elementum. Nachdem die Österreicher Kredite nicht mehr bedienen konnten, hat die Investmentgesellschaft Oaktree das Vorzeigeprojekt mit einem Besitzanteil von 75 Prozent übernommen. Damit nicht genug: Die Wiener mussten Oaktree auch die Mehrheit bei den Highlight Towers in Schwabing überlassen. Die hatte Imfarr für kolportierte 650 Millionen Euro erst im Jahr 2021 gekauft. Auf der Liste steht zudem das Projekt Muc.One: Bis 2026 sollte ein modernes Bürohaus an der Adolf-Kolping-Straße nahe des Stachus entstehen. Im Osten Münchens war mit Muc.East ein weiterer Neubau geplant.
Imfarr ist deutschlandweit aktiv, ihr gehör(t)en Immobilien in Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Berlin. In Wien sind fünf Projekte von der Insolvenz betroffen. Laut ORF wird den Gläubigern ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren angeboten. Die Finanzierung soll durch eine „geordnete Verwertung“ des Portfolios ermöglicht werden. Imfarr ist laut eigenen Angaben von den Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt „besonders schwer getroffen“ worden. Die konjunkturellen sowie geopolitischen Unsicherheiten hätten die Nachfrage nach Bürogebäuden in Deutschland „vollständig zum Erliegen gebracht“.
Interessant an der 2007 gegründeten Imfarr ist, dass zwischenzeitlich prominente Politiker an ihr beteiligt waren. Wie berichtet, gehörte dazu der einstige österreichische Kanzler Werner Faymann (SPÖ). Sein Parteifreund und ehemalige Kulturminister Josef Ostermayer hatte zeitweise sogar die Geschäftsführung inne. In München ist Impfarr mit einem eigenen Büro vertreten.
NADJA HOFFMANN