Wie König Otto die Olympischen Spiele erfand

von Redaktion

Der Wittelsbacher organisierte in seiner neuen Heimat die Olympien nach dem Vorbild des Oktoberfests

Otto von Wittelsbach, Sohn von Ludwig I., wurde König von Griechenland. © Heinz Gebhardt

Zum Jubiläum im Jahr 2010 erinnerte man mit Pferderennen an die sportliche Tradition des Festes, das zum Vorbild für die Olympischen Spiele der Neuzeit wurde. © Marcus Schlaf

In Paris werden heute die Olympischen Spiele eröffnet. Was kaum einer weiß: Ihr Vorbild war das Münchner Oktoberfest. Die Griechen haben es kennengelernt, als sie ihren künftigen König, den bayerischen Prinzen Otto, abholten.

Pierre de Coubertin gilt gemeinhin als Erfinder der modernen Olympischen Spiele. Doch die Idee existierte bereits, bevor der französische Baron die ersten Spiele der Neuzeit im Jahr 1896, also mehr als 1500 Jahre nach der Einstellung der Olympischen Spiele des Altertums, in Athen eröffnete. Denn bereits 1859 fanden in Athen die ersten „Olympien“ statt. Ein Jahr zuvor hatte der König die Durchführung dieser Spiele erlassen. Sein Name: König Otto I. von Griechenland – ein Münchner!

Dem zweiten Sohn von Bayernkönig Ludwig I. war 1832 im Alter von 17 Jahren die Krone Griechenlands angetragen worden. Historischer Hintergrund war die Befreiung der Griechen von der osmanischen Fremdherrschaft. Nach der Ermordung des ersten Präsidenten, drohte das Land in Chaos und Bürgerkrieg zu versinken. Ein König aus dem Ausland sollte wieder Ruhe ins zerstrittene Land bringen.

Die griechische Nationalversammlung schickte deshalb 1833 drei Delegierte nach München, um den bayerischen Prinzen und künftigen König abzuholen, erzählt Otto Wax vom Förderverein des König-Otto-Museums in Ottobrunn. Ihnen zu Ehren wurde der Beginn der Wiesn extra auf den 14. Oktober verschoben. Das Oktoberfest war damals eine Schau landwirtschaftlicher Produkte und sportlicher Wettkämpfe. Und die beeindruckten die Griechen offenbar. Eine Woche später berichteten die Besucher jedenfalls stolz nach Hause von dem besonderen Fest. „Es wird auf einer ausgedehnten Fläche außerhalb der Stadt abgehalten und stellt eine Nachahmung der Olympischen Spiele dar“, heißt es in einer überlieferten Botschaft.

Die Griechen hätten aus irgendeinem Grund geglaubt, die Wiesn werde für Otto abgehalten, erklärt Wax. „Völliger Blödsinn, das geht ja auf die Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese zurück.“ Aber damals wollte man wahrscheinlich einfach an diese Ehre glauben, so Wax.

Obwohl es in Griechenland bestimmt dringendere Aufgaben gegeben hätte, beauftragte Otto fast unmittelbar nach seinem Umzug den Innenminister mit einem Entwurf für ein Nationalfest, das allerdings nie gefeiert wurde. Zur Volljährigkeit des Königs 1835 gab es nur eine Art Generalprobe mit Wettlauf, Ringen und Scheibenwerfen, berichten Historiker.

Der wohlhabende griechische Kaufmann Evangelos Zappas unterbreitete König Otto schließlich einen eigenen Vorschlag zur Erneuerung der Olympischen Spiele. An drei aufeinanderfolgenden Tagen sollte ein Fest mit feierlichem und nationalem Charakter ausgerichtet werden, dazu öffentliche Wettkämpfe in Form von Pferderennen, Ringkampf, Lauf, Diskuswerfen, Sprungwettbewerben, Speerwerfen, Volkstänze und andere Übungen mit Musik. Zappos finanzierte die Kombination aus Ausstellung mit griechischen Produkten und Sportveranstaltung auch. „Es ging den Menschen damals schlecht nach dem Krieg, niemand hat sich um sie gekümmert, da war etwas Folklore nicht schlecht“, glaubt Wax.

Nach seinem Tod 1865 ging der größte Teil von Zappas Vermögen ans „Komitee der Olympien“. Es fanden danach noch drei Olympien in Athen statt. Inspiriert von Zappas gründete Pierre de Coubertin 1894 schließlich das Internationale Olympische Komitee (IOC). In Paris werden nun die mittlerweile 23. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit abgehalten.
CARMEN ICK-DIETL

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