Anna-Lisa Krause mit Sohn Benjamin.
Wildes Vergnügen: Das Baden im Eisbach wurde einem Mann zum Verhängnis. Er trieb bis zum Kraftwerk. © Achim Schmidt
In den kühlen Eisbach springen, sich minutenlang durch den Englischen Garten treiben lassen und dann herrlich erfrischt mit der Tram zurück zum Startpunkt gondeln: Ein Vergnügen, das speziell für das Lebensgefühl in München steht. An Sommer-Tagen wie gestern springen hunderte Menschen in die wilden Fluten – auch wenn das Baden im Eisbach eigentlich verboten ist. Warum, das hat sich am Dienstagnachmittag einmal mehr gezeigt. Gegen 17.30 Uhr wurde für zwei Freunde aus Spaß ganz schnell bitterer Ernst. Einer der beiden ging in den Fluten unter und wurde mitgerissen. In einer Wasserwalze verlor er fast sein Leben.
Laut Feuerwehr befindet sich der Mann, der reanimiert wurde, weiterhin in einem kritischen Zustand. Sein Spezl war völlig fassungslos. „Der schwer geschockte 28-jährige Bekannte musste noch vor Ort vom Kriseninterventionsteam betreut werden.“ Minutenlang bangte der Münchner um das Leben seines Kumpels und versuchte, irgendwie in seine Nähe zu kommen.
Die beiden waren oberhalb der Brücke „Am Tucherpark“ in den Eisbach gesprungen. Dann verlor der eine von ihnen die Kontrolle über die Situation. „Er hatte wohl die dort herrschende Strömung unterschätzt und konnte sich auch nicht an der vor der Wasserwalze gespannten Kette festhalten“, erklärt ein Sprecher der Feuerwehr. „Kurz darauf stürzte er über das Wehr und verschwand in der Wasserwalze vor den Augen seines Bekannten.“ Ein Albtraum.
Während Letzterer an der Walze irgendwie versuchte, zu sehen, wo sein Freund ist, riefen Zeugen die Feuerwehr. Die schickte ein Großaufgebot ins Lehel, zu dem auch ein Hubschrauber gehörte. Für die Rettungskräfte war es nicht einfach, den Hilflosen in den Fluten zu finden. „Während Strömungsretter der Feuerwehr vom Korb der Drehleiter aus versuchten, den Verunfallten in der Wasserwalze mit Stangen zu lokalisieren, wurde von weiteren Rettungskräften der komplette Bach in Richtung Tivoli-Kraftwerk abgesucht.“ Kurze Zeit später meldete eine Polizeistreife dann, dass Passanten eine leblose Person direkt am Kraftwerk aus dem Wasser gezogen hatten. Die Rettungskräfte kämpften daraufhin um das Leben des Mannes.
Das Schicksal des jungen Mannes berührt Anna-Lisa Krause am nächsten Tag, als sie mit Sohn Benjamin (11) ein Bad im Eisbach nimmt. „Man darf kein Risiko eingehen“, sagt die Augsburgerin, die in München arbeitet. Der Sommertag im Englischen Garten hat für die beiden schon Tradition. Beim ersten Mal ließen sie sich aber von einem erfahrenen Eisbach-Schwimmer zeigen, worauf es ankommt. Bis Benjamin ein bisschen größer ist, lassen sie die kleine Eisbachwelle zum Beispiel aus – um nicht zwischen die Surfer zu geraten.
„Man muss wissen, wo man einsteigt und wo man rausgeht“, sagt Gabriel B. aus München. Der 43-Jährige genießt den Sommertag mit seiner Frau Jenny im Englischen Garten. „Das ist etwas Besonderes.“ Die beiden achten darauf, gefährliche Stellen zu meiden. Dass der Bach trügerisch ist, zeigte sich Ende Juni. Damals verschwand ein Student (26) beim Baden. Seine Leiche wurde erst fünf Tage später gefunden.
NADJA HOFFMANN