Sichergestellt: Funde bei einer Polizei-Razzia im Alten Botanischen Garten.
Zugriff: Im Alten Botanischen Garten wird ein Drogendealer festgenommen. © Hartmann, nah
Sonnenstrahlen spiegeln sich im Wasser des Neptunbrunnens, nebenan im neuen Biergarten stoßen Touristen miteinander an, auf der Bühne spielt die Band ein Blues-Stück: ein perfekter Sommerabend im Herzen von München. Das könnte man meinen, würde sich die Szene nicht im Alten Botanischen Garten abspielen. Und würde sie am Mittwoch um 18.30 Uhr nicht jäh von einem Großeinsatz der Polizei unterbrochen. „Festnahme freigegeben“, heißt es über Funk. Dann tauchen 15 Beamte der Bereitschaftspolizei auf dem Platz auf. Sie nehmen einen 21-jährigen Drogendealer aus Afghanistan fest, der gerade ein Geschäft frisch abgewickelt hat. Seine dubiosen Kumpels, die mit Bierflaschen in ihrem eigenen Cannabisnebel sitzen, machen sich lieber pöbelnd aus dem Staub. Von Idylle ist hier nichts zu spüren.
Im Gegenteil: Der Alte Botanische Garten ist das Herz von Münchens neuem Problemviertel rund um den Hauptbahnhof. Zuständig sind die Polizeiinspektionen 12 und 14. Letztere, deren Einsatzgebiet auch den Nußbaumpark am Sendlinger Tor und die Theresienwiese umfasst, wird seit Juni von Sigrid Kienle geleitet. Ihre Bilanz für das Bahnhofsviertel ist ernüchternd. „Die Gewalttaten haben dort erheblich zugenommen“, sagt sie mit Blick auf den Alten Botanischen Garten. Und: „Es gibt dort einen aktiven Rauschgifthandel.“ Hinzu kommen Raubdelikte und sexuelle Belästigungen von Frauen.
Eine Situation, die laut Polizeipräsident Thomas Hampel verständlicherweise für Verunsicherung bei den Menschen sorgt. Er betont aber: „Die Münchner Bürgerinnen und Bürger sowie die Besucher haben einen berechtigten Anspruch darauf, sich zu jeder Tageszeit sorgenfrei und sicher im öffentlichen Raum bewegen zu können.“ Deshalb haben Polizei und Stadt ein dickes Maßnahmenpaket geschnürt. Erste Instrumente daraus greifen schon. Im Park wurde die Bepflanzung zurückgeschnitten und die Beleuchtung ausgebaut. Die Polizei überwacht den Bereich mit Kameras und hat zusätzlich mobile Videostationen aufgestellt. Weitere Maßnahme: Präsenz zeigen. Deshalb laufen seit Wochen schon Schwerpunktkontrollen der Inspektionen 12 und 14, die immer wieder von der Bereitschaftspolizei unterstützt werden. So wie am späten Mittwochnachmittag.
Im ganzen Viertel sind Einsatzzüge unterwegs, die an sogenannte Gefahrenorte gehen. Einer davon ist ein Wettbüro im bahnhofsnahen Bereich der Goethestraße. Um 17.38 Uhr befiehlt Einsatzleiter Oliver Böhm hier den Zugriff. Die Kollegen um Zugführer Stefan Moosbauer marschieren in ihren Einsatzanzügen in die Räume. Während auf Großbildschirmen Olympia läuft, werden verschiedene Personen kontrolliert. Ein Mann, der sich auf der Toilette versteckt hat, wird draußen gefilzt. Fehlanzeige. „Das ist für uns kein Misserfolg“, erklärt Moosbauer. Wichtig sei, dass die Polizei vor Ort ist und sich zeigt. Denn: In dem Wettbüro soll es immer wieder Drogendeals geben. An diesem Sommerabend sind 30 Beamte im Bahnhofsviertel im Einsatz. Sie kontrollieren 67 Personen, sprechen zehn Platzverweise aus. Noch ein Drogendealer wird festgenommen. Auch er ist aus Afghanistan.