München muss mehr bauen, immer mehr Menschen suchen eine Bleibe. © Jan Woitas/dpa, Markus Götzfried, privat
Es muss gebaut werden! Bis 2028 braucht München rund 11 900 neue Wohnungen – und zwar pro Jahr. Diese Prognose hat das Pestel-Institut in einer aktuellen Analyse ermittelt. „Der Neubau ist notwendig, um das bestehende Defizit – immerhin fehlen in München aktuell rund 10 500 Wohnungen – abzubauen“, sagt Matthias Günther vom Institut. „Aber auch, um abgewohnte Wohnungen in alten Häusern nach und nach zu ersetzen. Hier geht es insbesondere um Nachkriegsbauten, bei denen sich eine Sanierung nicht mehr lohnt.“ Zur Erinnerung: 2023 wurden in der bayerischen Landeshauptstadt 9083 Wohnungen neu genehmigt, 9837 fertiggestellt.
An dem Wohnungsbedarf ändere auch die Zahl leer stehender Wohnungen nichts: Der aktuelle Zensus registriert immerhin rund 22 400 Wohnungen, die nicht genutzt werden, so das Pestel-Institut. Das seien 2,7 Prozent vom gesamten Wohnungsbestand in der Stadt. Ein Großteil davon – nämlich rund 7060 Wohnungen – stehe jedoch schon seit einem Jahr oder länger leer. „Das sind rund 32 Prozent vom Leerstand. Dabei geht es allerdings oft um Wohnungen, die auch keiner mehr bewohnen kann. Sie müssten vorher komplett – also aufwendig und damit teuer – saniert werden“, sagt Günther.
Für CSU-Chef Manuel Pretzl sind die Probleme hausgemacht: „Die Wohnungsbauzahlen gehen seit Jahren bergab, weil Grün-Rot ein baufeindliches Klima in München geschaffen hat.“ Zu hohe Baustandards, zu viel Bürokratie am Bau, handwerkerfeindliche Verkehrsplanung, eine Verschärfung der SoBoN zulasten der Bauwirtschaft und das Festhalten an SEM-Projekten, die vor Ort auf Widerstand stoßen – all das verschlimmere die Situation.
München baue bereits viel, sagt hingegen SPD-Stadträtin Simone Burger. Gerade erst sei die zweite Rahmenplanung für Freiham beschlossen worden. Und auch in der Bayernkaserne sowie im Tucherpark werde bezahlbarer Wohnraum entstehen. „Wir investieren selbst im Milliardenbereich und unterstützen Baugenossenschaften. Und beim Werkswohnungsbau gehen städtische Töchter vorbildlich voran.“
Um rascher zu bauen, setze die Stadt bei den Planungen Frankfurter Ring, Wasserburger Landstraße und zum Europark auf die Entwicklung von gemischten Quartieren an Stellen, an denen bereits versiegelt wurde und Infrastruktur vorhanden ist, ergänzt Stadträtin Anna Hanusch (Grüne). Um den Wohnungsbau aber weiter anzukurbeln, brauche es mehr Unterstützung vom Bund. „Vor dem Bauen kommt das Planen, und dieser Prozess dauert auch mit Beschleunigung seine Zeit.“