Personalsorgen am Amtsgericht

von Redaktion

Fast 100 Stellen sind unbesetzt – Präsidentin Beate Ehrt sucht dringend neue Mitarbeiter

Amtsgerichts-Präsidentin Beate Ehrt bereitet die Personalsituation an ihrer Behörde Sorgen. © Marcus Schlaf

Das Münchner Amtsgericht ist das größte in ganz Deutschland. Hier sorgen rund 1200 Mitarbeiter für Gerechtigkeit auf allen Ebenen. Doch Präsidentin Beate Ehrt plagen aktuell Personalsorgen. Fast 100 Stellen sind unbesetzt – für die Münchner Bürger hat das Folgen, wie die Gerichtspräsidentin im Interview mit unserer Zeitung erläutert.

Wie bewerten Sie die aktuelle Personalsituation am Amtsgericht?

Große Sorgen bereitet die Situation bei unseren Servicekräften. Sprich bei denjenigen Beschäftigten, die das Bindeglied zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und den Richterinnen und Richtern sind. Ihre Aufgabe besteht im Wesentlichen darin, die Post den Verfahren zuzuordnen, Akten zusammenzustellen, den Richtern zur Entscheidung vorzulegen, Verhandlungsprotokolle zu erstellen oder Entscheidungen herauszugeben. Ohne diese Beschäftigten wäre der Gerichtsbetrieb nicht möglich.

Wie viele Mitarbeiter fehlen Ihnen und welche Arbeitsbereiche sind besonders betroffen?

Im Servicebereich bestand für das Amtsgericht München beispielsweise im Jahr 2022 ein Bedarf von rund 430 Beschäftigten, im Jahr 2023 von 450. Besetzt werden konnten hingegen lediglich etwa 360 Stellen. Diese Entwicklung hat sich in diesem Jahr fortgesetzt. Für die Bürger macht sich diese Situation leider bemerkbar. So müssen sie bei der Erteilung eines Erbscheins mit längeren Wartezeiten rechnen, in unproblematischen Erbfällen derzeit etwa acht bis zehn Wochen. Auch die Vollstreckung einer Geldforderung kann länger dauern. Bei Forderungspfändungen ist derzeit mit Bearbeitungszeiten von ein bis zwei Monaten zu rechnen, in Ausnahmefällen auch länger.

Wenn die fehlenden Stellen nicht besetzt werden, in welchen Arbeitsbereichen könnte es problematisch werden?

Insgesamt ist unser Gerichtsbetrieb gesichert. Längere Bearbeitungszeiten können die im Einzelfall Betroffenen allerdings vor Probleme stellen. Beispielsweise bei der Abwicklung von Nachlassangelegenheiten, wenn ein Erbe oder eine Erbin zur Vornahme von Handlungen auf einen Erbschein angewiesen ist.

Warum ist es so schwierig, geeignetes Personal für das Amtsgericht zu finden? Und welche Lösung gibt es?

Ursache der schwierigen Personalsituation im Servicebereich ist vor allem die Arbeitsmarktlage in München. Wegen der enormen Lebenshaltungskosten zieht es viele weg von der Stadt raus aufs Land. Im Wettbewerb um die besten Köpfe haben die Arbeitgeber die Nase vorn, die finanziell die attraktivsten Angebote bieten. Kriterien wie ein sicherer Arbeitsplatz oder auch die Wahrnehmung einer sinnvollen, wertebasierten Beschäftigung treten dahinter zurück. Hinzukommt, dass die Bereitschaft, öfter den Job zu wechseln, fast schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden zu sein scheint. Um der Personalsituation im Servicebereich zu begegnen, versuchen wir uns bestmöglich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzustellen. Das digitale Arbeiten hält immer stärker Einzug. Dort, wo bereits jetzt mit der elektronischen Akte gearbeitet wird, ist für Beschäftigte im Servicebereich des Amtsgerichts Arbeiten im Homeoffice etabliert und sehr gut möglich. Um das Amtsgericht München als Arbeitgeber näher kennenzulernen, bestehen zudem flexibelste Möglichkeiten der unverbindlichen Probearbeit oder von Praktika.

Inwiefern erhalten Sie Unterstützung vonseiten der bayerischen Justiz?

Die Unterstützung ist sehr groß. Unser Minister hat im aktuellen Staatshaushalt 350 zusätzliche Stellen für die Justiz gesichert. Dem Amtsgericht München wurde zudem der größte Anteil an den diesjährigen Absolventen unserer Justizausbildungen zugesprochen. Das hilft uns sehr.


INTERVIEW:


ANDREAS THIEME

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