KOMMENTAR

Hier ist noch viel Luft nach oben

von Redaktion

Gefahrenzone Radverkehr

Rollt man als Schönwetter- oder Dauerradler über die bereits ausgebauten Abschnitte des Altstadt-Radlrings, schlägt das Radlerherz hoch. Doch spätestens am Lenbachplatz rutscht es einem wieder in die Hose, wenn einem plötzlich ein verpeilter Tourist vors Radl läuft, weil er den früh ergrauten Radweg für den Fußgängerweg hält.

Diese Stelle ist nur einer von vielen Stolpersteinen im manchmal teuren, oft unverständlichen Radwegekonzept der Stadt München. An vielen Stellen, wie zum Beispiel um den Hauptbahnhof herum, existieren gar keine Radwege oder sie hören plötzlich auf. Sogenannte Fahrradstraßen sind mit Baufahrzeugen so zugestellt, dass dort kein Rad durchkommt.

Überhaupt die Fahrradstraßen – theoretisch klingt es ja ganz gut, dass man als Radfahrer dort Vorrang haben soll. Praktisch ist dieses Recht ohne Blech um einen herum schwer durchzusetzen. Tatsächlich erinnert das Konzept eher an jene Zeiten, als es noch gar keine Radwege gab. Allein bis man also die „schönen“ Radwege Münchens erreicht hat, stirbt man gefühlt 1000 Tode.

Auf der Lindwurmstraße beispielsweise lauern die Gefahren in Gestalt von E-Scooter-Fahrern, die in falscher Fahrbahnrichtung unterwegs sind, oder Kampfradlern auf dem Weg zur Arbeit. Wenn man bis zum Sendlinger Tor die aus Ausfahrten preschenden Autos überlebt hat, bringen einen am Ende die Straßenbahnschienen zu Fall – wenn nicht, wird man mit 30 Meter grünem Radweg belohnt.

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