Wie rund läuft es wirklich?

von Redaktion

Einmal um die City strampeln – Der große Report vom Altstadt-Radlring

Engstelle an einer Baustelle.

Neue Abschnitte sind bequem mit Lastenrad befahrbar.

Manche Stellen des grünen Radwegs sind bereits ergraut und deshalb schwierig zu erkennen.

Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer, Bürgermeister Dominik Krause und Mobilitätsreferent Georg Dunkel bei der rollenden Pressekonferenz.

Der Altstadt-Radlring soll 2025 fertig werden. Am Sendlinger Tor ist die Kreuzung bereits markiert.

Jeanne-Marie Ehbauer strauchelte gleich zu Beginn der rollenden Pressekonferenz. Zum Glück ist der Baureferentin gestern beim Anfahren mit Bodenkontakt nichts passiert und inhaltlich glänzte sie bei der Pressetour über den Altstadt-Radlring mit Fachwissen. Zum Beispiel zur Farbgebung: „Nachdem am Lenbachplatz der grüne Belag relativ schnell grau war, haben wir selbst Farbtests gemacht – und zwar in den Bauhöfen, wo es die ganze Zeit Zu- und Abfahrten gibt. Dort haben wir alle möglichen Farben, Materialien und Beschichtungen in Rot und Grün getestet und dann den besten genommen.“

Zusammen mit dem zweiten Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) und Mobilitätsreferent Georg Dunkel stellt sie den Baufortschritt am Altstadt-Radlrings vor. Krause outet sich dabei als Schönwetter-Radler, der noch mal an die Ursprünge des Bauvorhabens 2019 erinnert. Damals beschloss man im Stadtrat, auf die Forderungen aus zwei Bürgerbegehren zum Thema Radwegeausbau einzugehen. „Ein Drittel des Altstadt-Radlrings ist bereits umgesetzt beziehungsweise im Bau“, berichtet Krause. Gemäß Koalitionsvertrag im Rathaus soll das Gesamtprojekt bis 2025 fertig sein.

Aktuell wird gerade am Thomas-Wimmer-Ring der grüne Asphalt verlegt. „Wir haben jetzt über 30 Grad auf der Oberfläche und müssen bis zum Abend warten, bis wir weitermachen können“, sagt der Bauleiter. Ende der Woche will man mit dem Teilabschnitt fertig sein. Überhaupt liege man sehr gut in der Zeit, meint Ehbauer. Grün eingefärbt wird nun doch nur die eigentliche Ringstrecke. Andere Teile wie die Ludwigstraße sind mit grauem Asphalt belegt. „Ich glaube auch nicht, dass wir einen grünen Radweg dort bekommen, wenn der Gestaltungswettbewerb abgeschlossen ist“, so Bauleiter Robert Fricke. Auf der Ludwigstraße stockt der Ausbau des Radweges Richtung Norden noch, was an eben jenem Gestaltungswettbewerb liegt, der auch auf den Denkmalschutz Rücksicht nimmt.

Knifflig ist die Aufgabe auch an der Kreuzung Ludwigstraße und Von-der-Tann-Straße. Dort stehen Prachtbauten, unterirdisch verläuft der Altstadtring-Tunnel. „Die schwierigste Baustelle Münchens“, meint Fricke. Man müsse auch der Frage Rechnung tragen, „wer wie am meisten unterwegs ist. Wir sind hier in Uni-Nähe, deshalb sind sehr viele Räder unterwegs“, sagt Ehbauer. Dabei seien die Anforderungen sehr unterschiedlich, so Martina Wermuth vom Mobilitätsreferat. „In der Zweibrückenstraße zum Beispiel muss man auf die Tram, die Touristen und das örtliche Gewerbe mit mehr Platz für Freischankflächen Rücksicht nehmen.“ Ebenfalls herausfordernd: der ergraute Belag am Lenbachplatz. Für viele Fußgänger ist er wegen der Farbe gar nicht mehr als Radweg zu erkennen. Deshalb besteht hier erhöhte Kollisionsgefahr.

Mobilitätsreferent Dunkel betont, dass mittlerweile ein Fünftel der Wege in München mit dem Radl zurückgelegt werden. Man brauche dringend ausgebaute Trassen, weil E-Bikes, Lastenräder und gewöhnliche Räder sich mit unterschiedlichem Tempo fortbewegten. Angesichts der breiten Wege auf den neu ausgebauten Bereichen erhellt sich sein Gesicht: „Das sind Dimensionen, wie ich sie aus Kopenhagen kenne.“
GABRIELE WINTER

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