Auf der Spur der Schüsse

von Redaktion

Die Polizei untersucht die Folgen des Terrors

Dieses Schild wurde mit einer Machete beschädigt.

Emra I. schoss mit seinem alten Karabiner auf Beamte.

Einschusslöcher in einer Wand (o. re.). Ermittler haben Stellen, an denen Patronenhülsen lagen, am Boden markiert (gr. Foto). Selbst in einem Baum schlug ein Projektil ein (li. u.). © Fotos: dpa, X

Grüne Kreise auf den Bodenplatten, pinke Sprüh-Flecken an einer Wand, ein gelber Kreis an einem Baum: Graffiti der Gewalt erinnern an die Schüsse vom Karolinenplatz.

Vergangenen Donnerstag war Emra I. (18) dort bei einem Feuergefecht mit Polizisten erschossen worden (wir berichteten). Die Farbkleckse markieren die Stellen, an denen Kugeln einschlugen oder Hülsen lagen. Es sind dutzende – wie viele genau, kann oder will die Polizei nicht sagen. Der Schütze selbst hatte mit seinem Schweizer Wehrmachtskarabiner neunmal geschossen. Wie oft die fünf Beamten feuerten, gab das Landeskriminalamt auf Anfrage auch Tage nach der Terror-Tat nicht preis.

Die „Arbeitshypothese“ der Ermittler lautet: Der Österreicher war islamistisch oder antisemitisch motiviert: Er schoss mit seinem Gewehr auf das NS-Dokuzentrum und das israelische Generalkonsulat – und zwar genau am Jahrestag des Olympia-Attentats vom 5. September 1972.

Die Ermittler haben laut LKA etwa 100 Zeugen zur Tat befragt. „Der größte Teil müsste damit jetzt fertig sein“, sagte ein Sprecher. „Aber es wird sicher noch weitere Einzelvernehmungen geben.“ Erkenntnisse erhoffen sich die etwa 100 Beamten der Soko „Karolinenplatz“ auch von der Auswertung des Handys des Schützen. Es war offenbar beim Schusswechsel beschädigt worden, konnte aber wiederhergestellt werden. Wie viele Daten auslesbar sind, sei unklar, sagte der LKA-Sprecher.

Erkenntnisse der österreichischen Polizei deuten darauf hin, dass der 18-Jährige sich islamistisch radikalisiert hat. Er spielte Spiele mit Bezug zu islamistischen Terror-Organisationen, bei denen laut Ermittlern auch Hinrichtungen nachgestellt wurden.

Laut dem österreichischen Innenministerium handelte es sich bei dem 18-Jährigen aber um keinen „klassischen Islamisten“. Er hatte im Frühjahr 2023 eine höhere Schule mit Schwerpunkt Elektrotechnik besucht, galt als guter und intelligenter Schüler. Seine bosnisch-stämmige Familie wurde in ihrer neuen Heimat in Neumarkt am Wallersee (Salzburger Land) als sehr gut integriert wahrgenommen. In der Corona-Zeit habe sich der Sohn aber zurückgezogen. Er sei zum Einzelgänger geworden und in der Schule gehänselt worden.

Seine Tat lässt München nicht los: Eine Ausstellungseröffnung im NS-Dokuzentrum heute Abend wurde abgesagt – die Schau selbst findet aber statt. Einen Bericht dazu lesen Sie in der Mittwochs-Ausgabe.
THOMAS GAUTIER

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