Vielen ein Dorn im Auge: E-Scooter, hier am Max-Joseph-Platz. © S. Jantz
Verena Bentele, Vorsitzende des VdK. © privat
Sie stehen quer auf dem Geh- oder Radweg. Fußgänger müssen drübersteigen oder sich daran vorbeischlängeln, Radfahrer oft abrupt abbremsen. Rücksichtslos abgestellte E-Scooter sind immer noch ein riesiges Ärgernis. Auch für Verena Bentele: Die sehbehinderte Präsidentin des Sozialverbandes VdK fordert schärfere Regeln. Sie geht sogar so weit, ein Verbot in Erwägung zu ziehen. Was sagen die Münchner dazu? Und was tut die Stadt?
„Ich bin mal kurz vor der Treppe zur U-Bahn über einen abgestellten Scooter gestolpert und fast die Treppe heruntergefallen“, erzählt Bentele unserer Zeitung. „In Deutschland sind E-Scooter eingeführt worden, ohne genaue Regeln“, betont sie schon seit Längerem. Insbesondere blinde und alte Personen seien durch herumliegende Roller stark beeinträchtigt und gefährdet. Sollte es keine Regelung geben, die nachhaltig die Verkehrswege frei halte und Sicherheit gewährleiste, „dann wäre ich für ein Verbot“. Tatsächlich haben bereits mehrere Städte Elektro-Tretroller verbannt, unter anderem Madrid, Paris, Montréal und Melbourne.
„Eigentlich bin ich ja gegen Verbote, aber in diesem Fall könnte ich mir das vorstellen“, sagt etwa auch Carin Schalk von Blumen Schalk im Lehel. „Ich muss oft E-Scooter weghieven, um meine Auslage vor dem Laden aufbauen zu können. Ich wäre auch schon beinahe auf dem Gehweg umgefahren worden – und die Fahrer lachen dann nur blöd.“ Im Seniorenbeirat der Stadt München gäbe es „sehr viele Beschwerden“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Elisabeth Robles-Salgado. „Wir wollen die Gehwege ganz rollerfrei haben.“ Auch die Radfahrer sind in Rage. „Oft überholen E-Scooter-Fahrer Radler zu eng oder zu schnell – oder Roller parken mitten auf dem Radweg“, klagt der Münchner ADFC-Vorsitzende Andreas Schön.
Und was sagen E-Scooter-Anbieter dazu? Tier, auf deren Roller nach der Fusion ab Januar Dott stehen wird, verweist darauf, dass sie verschiedene Maßnahmen ergreifen würden, um Nutzer zum rücksichtsvollen Umgang zu bewegen. Es bedürfe aber auch einer „ausreichenden Anzahl an Abstellflächen. Dafür müssen unter anderem auch Pkw-Stellflächen umgewandelt werden.“
Wann kommen denn eigentlich die Abstellflächen für die über 17 000 Leih-Scooter für ganz München? In der Altstadt gibt es seit zwei Jahren ein Modellprojekt mit Parkpflicht innerhalb von 40 speziellen Flächen. Auf Anfrage sagt das Mobilitätsreferat: „Der Ausbau im gesamten Stadtgebiet ist bereits in vollem Gange.“ Diese gebe es etwa bereits rund um den Olympiapark und den Englischen Garten. Hier gilt ein digitales Parkverbot rund um die Abstellflächen. Ein dichtes Netz von 675 Abstellflächen solle weitestgehend bis Ende 2025 errichtet werden. Mittelfristig solle in dicht besiedelten Gebieten mit vielen Nutzungskonflikten auf Gehwegen und Gehwegbreiten unter 1,80 Meter das Abstellen nur noch auf vorgesehenen Flächen möglich sein. Weiter heißt es, ein Verbot werde derzeit nicht erwogen, da auch E-Roller als Auto-Ersatz Teil der Mobilitätswende seien.
NINA BAUTZ