Flatz hat auch die Fassade gestaltet. © Jens Hartmann
Der Künstler provoziert gerne. © Felix Hörhager/dpa
Dunkle Wolken: Wolfgang Flatz auf seinem Dachgarten. © Felix Hörhager/dpa
Der Kampf um die Kreativoase in Obersendling spitzt sich zu. Wie berichtet, steht der legendäre Skulpturengarten von Aktionskünstler Wolfgang Flatz auf dem Dach der Kistlerhofstraße 70 vor dem Aus. Jetzt hat der streitbare Künstler eine Räumungsklage erhalten – bis 14. November muss Flatz sein Paradies verlassen. Sonst droht die Zwangsräumung.
Seit 2012 lebt und arbeitet Flatz in dem gelb-blauen Haus, eines von mehreren poppigen Gebäuden des Kistlerhofs, in denen mitunter rund 40 Künstler im Rahmen des städtischen Projekts „Platform“ tätig sind. Ihre Mietverträge sind befristet, laufen in jedem Fall bis 31. Dezember 2025. Mit der Bemalung der Fassaden und seinem öffentlich zugänglichen, 3200 Quadratmeter großen Dachgarten mit Cadillac, Hubschrauber, goldenem Wohnwagen und Freiheitsstatue im siebten Stock, hat Flatz maßgeblich zur Gestaltung des Kistlerhofs beigetragen. Vorbesitzer Christian Hirmer habe ihm ein lebenslanges Nutzungsrecht zugesichert. Doch das Areal wurde 2019 verkauft. Und der neue Eigentümer, der Schweizer Großinvestor Empira, sei nicht an diese Vereinbarung gebunden.
Empira hat bei der Lokalbaukommission (LBK) in einem sogenannten Bauvorbescheid den möglichen Neubau dreier Gebäude samt Tiefgarage sowie die Aufstockung eines Gebäudes und eines Parkhauses abgefragt. „Der Antrag befindet sich aktuell in Bearbeitung. Eine Baugenehmigung dazu gibt es nicht“, teilt ein LBK-Sprecher auf Anfrage mit.
Rückhalt für Flatz kommt aus dem Kulturreferat: „Flatz ist ein bedeutender Künstler. In Absprache mit dem Kommunalreferat versucht das Kulturreferat, Herrn Flatz bei der Suche nach einem entsprechenden neuen Mietobjekt als Ersatzstandort zu unterstützen“, heißt es.
Vergangene Woche sei ihm die Räumungsklage zugestellt worden, sagt Flatz. „Die Gerichtsvollzieherin tauscht am 14. November die Schlösser aus.“ Der Künstler hat sich einen Anwalt genommen, will Widerspruch gegen die Räumung einlegen, um Zeit zu gewinnen. Bei dem Gedanken, sein Domizil verlassen zu müssen, blutet dem Künstler das Herz. Aufgeben wird er nicht: „Ich bin seit fast 50 Jahren in München verankert. Ich werde kämpfen.“
DANIELA POHL