Viele Anwohner in Feldmoching fühlen sich im Stich gelassen. Um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen, haben sie sogar ein Schild auf einem Acker aufgestellt. Auf dem Foto rechts sind Hans Theiss (CSU, li.) und Martin Obersojer zu sehen. © Markus Götzfried
In Feldmoching läuft’s – und zwar über: Dutzende Keller sind voll Wasser. Die Hausbewohner sind sauer und machen der Stadtentwässerung Vorwürfe. Jetzt schaltet sich auch die Politik ein.
Unter den Grundstücken im Münchner Norden verläuft der Nord-West-Sammelkanal. Schon seit Jahren gibt es dort Probleme mit dem Grundwasser, das sich immer wieder aufstaut und die Keller unter Wasser setzt. Nun hat sich die Lage wieder zugespitzt, und die Menschen fürchten in diesem Herbst und Winter erneut große Probleme.
Der Vorwurf: Die Münchner Stadtentwässerung (MSE) habe nach Sanierungsarbeiten am Kanal im vergangenen Sommer drei Pumpen abgebaut. Das Problem sollte durch neue Düker und einen verbesserten Strömungsfluss behoben sein. Mitnichten – sagen jedenfalls die Anwohner. Seit die Pumpen weg sind, kämpfen die Bürger wieder mit dem Wasser. Außerdem, so beklagen sie, würden entscheidende Messstellen seitens der Stadt überhaupt nicht mehr geprüft und teilweise sogar abgesperrt, damit vor Ort nicht mehr gemessen werden kann.
„Die Stadt lässt die Bürger in Feldmoching im Stich“, schimpft CSU-Fraktions-Vize Hans Theiss. „Ich erwarte, dass zuverlässig und regelmäßig die Pegelstände gemessen werden. Dann müssen die richtigen Konsequenzen wie der Bau von Pumpen gezogen werden, die den Menschen vor Ort auch wirklich helfen.“
Die Messstellen (KPA 1412 und KP 1119) mit einem unzulässigen Aufstau von circa 86 Zentimetern würden seit Jahren nicht mehr geprüft, moniert Landwirt Martin Obersojer. Erlaubt seien lediglich 19 Zentimeter. „So versucht man, die Bürger zu täuschen und sich aus der Verantwortung zu ziehen.“
Die MSE teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, die Pumpen seien während der Sanierungsarbeiten installiert worden, um während dieser Arbeiten die Auswirkungen auf die Grundwassersituation zu reduzieren. Mit Abschluss der Arbeiten entfiel für die MSE die Notwendigkeit, Pumpen zu betreiben. „Der Nord-West-Sammelkanal wird nachweislich und nach Stand der Technik ausreichend über- und unterströmt“, sagt ein Sprecher. „Es liegt keine ausschlaggebende Beeinflussung der natürlichen Grundwasserverhältnisse vor.“
Der Erfolg der Maßnahmen sei durch die TU München und die Aufsichtsbehörden bestätigt worden. „Die MSE ist nicht für Grundwasserbewirtschaftung zuständig, daher kann die MSE auch keine bleibenden Pumpen installieren, um die natürlich hohen Grundwasserstände im betroffenen Gebiet dauerhaft abzusenken.“ Darüber hinaus sei es auch technisch nicht machbar, das Grundwasser in einem Gebiet dieser Größe flächendeckend und dauerhaft abzusenken. „Es ist unerlässlich, dass die Bauherren in Gebieten, in denen das Grundwasser einen geringen Flurabstand hat, selbst durch geeignete Schutzmaßnahmen an ihren Gebäuden Vorsorge treffen.“
Ferner führe die MSE dauerhaft ein umfangreiches Monitoring-Programm insbesondere im betroffenen Gebiet durch. „Drei der Grundwassermessstellen sind für die Bürger auch dauerhaft online abrufbar, um sich zu jeder Zeit über den aktuellen Grundwasserstand zu informieren.“
SASCHA KAROWSKI