Ein Kilometer: 212 Millionen

von Redaktion

U6-Ausbau: Rechnungshof fordert Kostentransparenz

Blick in die Zukunft: So könnte der neue U-Bahnhof in Martinsried einmal aussehen. © Visualisierung Gruber + Popp Architekt:innen

Die Baustelle: Der Blick aus Martinsried lässt die Dimensionen der Arbeiten für die U-Bahn-Verlängerung erahnen. © Michael Schönwälder

Wer mit der U6 in München Richtung Süden fahren will, der kommt aktuell nicht weiter als bis zum Klinikum Großhadern. Endstation. Doch ab dem Jahr 2027 sollen die U-Bahnen noch einen Kilometer weiter rollen – bis nach Martinsried. Das Ziel: Eine ÖPNV-Anbindung für die Menschen vor Ort, auch um den dortigen Biotechnologiestandort der LMU München aus der Stadt besser erreichen zu können – wie etwa im Norden beim Garchinger Forschungszentrum. Seit 20 Monaten wird offiziell an der Verlängerung der U6 gearbeitet. Doch jetzt schaltet sich der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) ein. Und fordert mehr Transparenz bei den Gesamtkosten für das Millionenprojekt.

Die Rechnungsprüfer haben die Betätigung des Freistaats beim U6-Ausbau in den Jahren 2021 und 2023 unter die Lupe genommen. Sie monieren, dass bis jetzt nur ein Teil der Projektkosten beziffert ist. 212 Millionen Euro werden für die U-Bahn-Verlängerung um rund einen Kilometer fällig. Diese Zahl nannten die Projektmanager vor zwei Jahren – es waren 40 Millionen mehr als bei einer vorherigen Kostenberechnung. Bund und Freistaat übernehmen 95 Prozent der förderfähigen Kosten, der Landkreis München 3,67 und die Gemeinde Planegg 1,33 Prozent. Doch was den Rechnungsprüfern bisher fehlt, sind Aussagen zu weiteren Kosten etwa für die Park-and-Ride-Anlage oder für die Fahrzeuganschaffung, deren Übernahme der Freistaat zumindest teilweise zugesagt habe. Deshalb fordert der ORH mehr Transparenz gegenüber dem Landtag ein, zumal das Großprojekt Haushaltsmittel über mehrere Legislaturperioden hinweg binde.

Konkret empfehlen die Rechnungsprüfer, die Bau- und Projektkosten laufend zu überwachen und frühzeitig ein verbindliches Kostenziel festzulegen. Zudem solle ein aussagekräftiges Berichtswesen implementiert werden, „um so die Wirtschaftlichkeit des Projekts sicherstellen zu können“.

Vergangene Woche, so gibt der Rechnungshof auch bekannt, habe die Verwaltung den Rechnungsprüfern weitere bisher bekannte Kosten mitgeteilt: So sind etwa für die Park-and-Ride-Anlage 5,2 Millionen Euro veranschlagt, für die Fahrzeuganschaffung gebe es eine Grobkostenschätzung von elf Millionen Euro. Nicht alle diese Kosten seien aber im Haushaltsplan ersichtlich.

Unterdessen schreiten die Bauarbeiten in Martinsried Stück für Stück voran. Aktuell betonieren Spezialfirmen Abschnitt für Abschnitt die Bodenplatten für Tunnel und Bahnhof. Am westlichen Ende der Baugrube wird stellenweise schon der zuvor ausgehobene Kies wieder verfüllt. Insgesamt sollen 100 000 Kubikmeter Beton verbaut werden. Doch bisher ist noch nicht einmal Halbzeit auf der Baustelle. Die ersten Züge sollen 2027 rollen.

Der U-Bahn-Ausbau nach Martinsried hat eine lange Vorgeschichte, die bis zur Amtszeit von Ministerpräsident Edmund Stoiber zurückreicht. Im März 2007 stimmte dessen Kabinett für den Bau des Biomedizinischen Centrums in Planegg-Martinsried, es sollte ein „Leuchtturmprojekt“ seines Investitionsprogramms „Zukunft Bayern 2020“ werden. Schon damals, also vor nun 17 Jahren, versprach Stoiber: „Bayern will den Ausbau der U6 forcieren.“ Bis zur Verwirklichung hat es nun doch deutlich länger gedauert als beim Biomedizinischen Centrum, das 2015 eröffnet wurde.
DOMINIK GÖTTLER

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