In der Münchner Fußgängerzone werden an den Samstagen im Advent 20 000 Passanten gezählt – pro Stunde.
Grund für die Fahrplanänderungen ist das Stellwerk Ost. Das soll modernisiert werden.
Die Adventssamstage sind wichtig für das Weihnachtsgeschäft der Innenstadthändler. Doch die Bahn dünnt den Fahrplan aus, darüber ärgern sich viele. © Imago, Schlaf (2), Gülland
Die S-Bahn wird wieder zur Stress-Bahn: Denn ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit schränkt die Bahn die Züge ein, die in die Münchner Innenstadt fahren. „Als wir das erfahren haben, waren wir platt“, sagt der Sprecher des Vereins der Innenstadthändler City Partner, Wolfgang Fischer. „Es ist ja nicht gerade unbekannt, dass die Adventszeit für Handel und Gastronomie die wichtigste Zeit des Jahres ist und dabei insbesondere die Samstage.“ Advent, Advent, die S-Bahn pennt.
Denn genau an diesen Samstagen dünnt die Bahn den Fahrplan aus. Grund seien umfangreiche Prüfungen des neuen elektronischen Stellwerks am Ostbahnhof. Das hatte mit der alten Technik zuletzt immer wieder für Störungen und teils massive Verspätungen gesorgt. Die Tests an den Wochenenden seien notwendig, um die neue Anlage 2025 in Betrieb nehmen zu können, hieß es.
An vier Wochenenden zwischen 23. November und 22. Dezember sollen deshalb jeweils von 4 bis 16. Uhr weniger Züge auf der Stammstrecke fahren (wir berichteten). Ausgenommen ist das Wochenende des Fahrplanwechsels vom 14. und 15. Dezember. Bereits geltende Einschränkungen sind davon nicht berührt.
Die Flughafen-Linie S1 soll der Bahn zufolge an den betroffenen Wochenenden nicht bis zum Ostbahnhof fahren, sondern bereits am Hauptbahnhof starten und enden. Die S4 im Münchner Westen verkehrt dann nur noch zwischen Geltendorf und Heimeranplatz. Bis zum 8. Dezember entfällt samstags und sonntags zudem die S7 zwischen Hauptbahnhof und Giesing. Einschränkungen gibt es auch bei der neuen S5, die vom 15. Dezember an zwischen Kreuzstraße und Pasing unterwegs ist. Die Linie entfällt am 21. und 22. Dezember zwischen Pasing und Giesing. An der Hackerbrücke sollen überdies die S1 und die S7 nicht halten. Fischer: „Wir haben an Adventssamstagen zum Beispiel in der Neuhauser-/ Kaufinger Straße bis über 20 000 Passanten pro Stunde. Das heißt, wir brauchen jeden Sitzplatz in den öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Es sei völlig unverständlich, dass die Bahn ihre IT-Spielchen ausgerechnet an den wichtigsten Samstagen des Jahres durchführen will. Das könnte auch im Januar erfolgen. „Wir sind fassungslos und sauer.“
Auch im Rathaus herrscht Unmut. SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl sagt: „Es ist wichtig, dass das digitale Stellwerk am Ostbahnhof endlich fertig wird. Die Arbeiten jetzt sind aber wirklich schlecht terminiert.“ Die Innenstadt brauche ein funktionierendes S-Bahn-Netz, gerade an den vier Wochenenden vor Weihnachten.
Er verstehe den Ärger der Händler, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. „Ich möchte hier an die Bahn appellieren: Warum können solche Bauarbeiten nicht im Januar stattfinden?“ Bei der Ludwigsbrücke habe die Stadtverwaltung ja auch eine Lösung gefunden, um einen Teil der Arbeiten auf Nachtstunden zu beschränken. „Wo ein Wille ist, ist ein Weg.“
SASCHA KAROWSKI