Was für eine Schau

von Redaktion

In Riem ist die Messe Heim + Handwerk gestartet – Wir haben uns umgesehen

Magdalena (l.) und Ilmi Scherzl (Bild rechts) haben für die Messe eine beliebte Lodentasche geschneidert.

Tolle Tüftler: Jörg Ostenrieder (r.) und Patrick Scholl.

Magdalena (l.) und Ilmi Scherzl mit der Lodentasche.

Innovative Aussteller: Aljaz Primozic (li.) und Rok Skaper mit dem Levitas-Bett.

Schön bunt und gut für die Umwelt: Charlotte Schüler macht plastikfreie Mode. © Yannick Thedens (5)

Sie war noch nicht mal real, nur ein Fantasie-Produkt der Künstlichen Intelligenz: Trotzdem hat diese grüne Tasche voll eingeschlagen! Stolz hält Magdalena Scherzl eine Lodentasche mit Blattverzierung in der Hand. „Das zeigt, dass KI nicht nur der Feind der Handwerker ist“, sagt die Maßschneiderin (26). „Sie kann inspirierend sein.“ Die Vorgeschichte: In einem Werbeclip zeigten die Messe-Veranstalter eine KI-generierte Tasche. Auf den Social-Media-Kanälen war die Nachfrage dazu riesig. Kurzerhand erhielt Trachten Scherzl aus Poing den Auftrag, diesem Geist Leben einzuhauchen. Zusammen mit ihrer Mutter Ilmi fertige Scherzl das robuste Accessoire in acht Stunden an. Dieses Einzelstück im Wert von 550 Euro wird am morgigen Freitag um 16.45 Uhr an der Lifestyle-Bühne der Messe in Riem verlost.

Trachten Scherzl ist nur einer von über 750 Ausstellern, die sich seit gestern auf der Heim+Handwerk präsentieren. Bis Sonntag, 1. Dezember, ist das Messegelände München (Eingang Ost) von jeweils 9.30 bis 18 Uhr geöffnet. Die Veranstalter erwarten heuer insgesamt rund 80 000 Besucher.

Am Eröffnungstag schlendern erste Besucher zu den Ständen. Inmitten der Start-up-Fläche drückt Rok Skaper auf einen Schalter – und schon fährt das Zauberbett nach oben. Vier robuste Seile ziehen es bis zur Decke. Das Praktische: „Kissen, Decken und Bettlaken können drauf bleiben“, erklärt Skaper. Der 29-Jährige und sein Kollege Aljaz Primozic (37) haben dieses Bett, genannt Levitas, erfunden und das gleichnamige Start-up gegründet. Ein Besucher will wissen, welche Idee dahintersteckt. „Wir schaffen mehr Platz in kleinen Apartments“, erklärt Skaper. Ein wichtiger Trend bei steigenden Immobilienpreisen. Der Preis ist ebenfalls hoch: ab 4900 Euro aufwärts.

Nebenan turnt Jörg Ostenrieder auf einem Klettergerüst. „Hier darf gekraxelt werden“, ruft er einer Mutter mit Kind zu. Diesen Spielturm hat der 52-Jährige gebaut und dessen Bestandteile, bunte Kunststoff-Platten, erfunden. Mit seinen Kollegen des Start-ups Boxxtool aus Taufkirchen vertreibt er ein modulares Stecksystem. „Ein Produkt, das einen im Alltag begleiten kann.“ Mit den Einzelteilen lassen sich Ausstattungen für Transporter, Kommoden oder Kisten für Handwerker bauen. Wichtig ist ihm, dass die Produktion in Bayern läuft. Der Umwelt zuliebe, aber auch, um Arbeitsplätze zu schaffen.

Umweltfreundlich will auch Charlotte Schüler produzieren. Sie kreiert plastikfreie Mode, „die nachhaltig ist und trotzdem Spaß macht“, sagt die 29-Jährige. Nicht nur öko-braun, sondern bunt. In Gelb und Rosa strahlen die Oberteile ihrer ersten Kollektion. Gefertigt im Zero-Waste-Schnitt, damit wenig Stoff weggeschmissen wird.

Um Hübsches dreht es sich bei Jamila Maute von den Blumenmadl’n München. Sie zeigt Besuchern auf der neuen Do-it-Yourself-Fläche, wie man Christbaumkugeln mit Trockenblumen füllt. „Hier finden verschiedene Workshops statt“, erklärt Messe-Sprecherin Mélanie Diss. Die Teilnehmer zahlen nur einen Unkostenbeitrag.

Viel zu kosten gibt‘s für Besucher auf der parallel stattfindenden „Food and Life“-Messe. Bei Familie Schmitz können sie frisch geknackte Macadamia-Nüsse probieren. Johan Schmitz, 13 Jahre, steht an einer Maschine, drückt den Hebel runter. Als seine Familie Urlaub in Südafrika machte, war sie begeistert von dem Geschmack der frisch geknackten Macadamia. „Das hat uns umgehauen.“ In Deutschland fanden sie nichts Vergleichbares. Die Nüsse hier seien verarbeitet. „Gesalzen, geröstet, ranzig.“ Der Grund: „Die Macadamia hat die härteste Nussschale der Welt.“ In Afrika werden sie mit Steinplatten geöffnet. Etwas zu umständlich für den Hausgebrauch. Also brachte die Familie Schmitz aus Niedersachsen diesen großen Nussknacker für die Macadamia auf den Markt. Johan ist glücklich: „Die Macadamia ist so gesund.“
MARLENE KADACH

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