Herr Polizeipräsident, sind wir hier sicher?

von Redaktion

Große Debatte über Sexualdelikte, Jugendgewalt und Drogen in der Stadt

Brennpunkt-Themen: Alter Botanischer Garten (re.), Jugendbanden und Sicherheit in U-Bahnen (li.).

Ernste Miene: Polizeipräsident Thomas Hampel bei der Podiumsdiskussion. Felicitas Ziegler fragte nach der Sicherheit von Frauen. Und war damit nicht allein. © Hartmann (2), Schlaf, Schmidt

Zwei Vorfälle innerhalb kurzer Zeit, die beunruhigen: Am S-Bahnhof in Hallbergmoos wird eine 19-Jährige am Dienstag vergangener Woche vergewaltigt. Und das über Stunden in einem Gebüsch. Wenige Tage später retten Passanten eine 36-jährige Frau gerade noch vor einer Vergewaltigung im Petuelpark. Beide Täter sitzen hinter Gittern. Was aber bleibt, ist ein ungutes Gefühl bei vielen Frauen.

Das zeigte sich am Mittwochabend deutlich, als es bei einer Podiumsdiskussion passenderweise um die Frage ging: „Wie sicher ist München?“ Das Polizeipräsidium hatte dazu zusammen mit dem Präventionsverein Blaulicht eingeladen. Zu Wort meldeten sich dabei überwiegend Frauen.

Sie berichteten von dem beklemmenden Gefühl, abends oder nachts allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt zu fahren. Von Belästigungen, die dann stattfinden. Und davon, dass sie aus Vorsicht dann doch lieber Taxi oder Uber fahren. „Es gibt unangenehme Situationen“, sagte Felicitas Ziegler. Und wollte mit Nachdruck wissen, was die Stadt und die Polizei für die Sicherheit von Frauen tun.

Polizeipräsident Thomas Hampel betonte, dass solche Übergriffe wie die jüngsten Fälle im Petuelpark und in Hallbergmoos bei uns die Ausnahme seien. Hampel lobte die Zivilcourage, die die Passanten im Petuelpark gezeigt hatten. Er ermutigte dazu, in unguten Situationen sofort den Notruf 110 zu wählen. Und Sebastian Groth, als Vize-Chef beim Kreisverwaltungsreferat zuständig für die Sicherheit in der Stadt, erinnerte an das Nacht-Frauen-Taxi. Die Stadt unterstützt nächtliche Fahrten mit einem Zuschuss.

Dass es nicht unbedingt entlegene Straßen sein müssen, in denen sich Frauen unwohl fühlen, sprach Anja B. an. Sie wurde abends in der Fußgängerzone belästigt. „In Sichtweite des Präsidiums.“ Auf ihrem Weg zum Stachus seien sie und eine Freundin auf eine große Gruppe Jugendlicher gestoßen, die keine Ruhe gaben. Eine regelrechte Hatz, bei der die Frauen vergebens Ausschau nach Polizisten gehalten haben. Ein Problem, das auch die Obst- und Maroni-Händler rund um den Stachus haben. Auch sie forderten, als Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kürzlich vor Ort war, mit mehr Polizeipräsenz gegen die Jugendbanden vorzugehen. Und das nicht nachmittags, sondern ab den frühen Abendstunden.

Eine Botschaft, die schon damals bei Hampel angekommen ist. Bei dem Rundgang mit dem Landesvater ging es um die Sicherheit im Bahnhofsviertel – laut Hampel derzeit mit dem Alten Botanischen Garten ein Brennpunkt. „Da ist politischer Rückhalt wichtig.“ Wenn der Ministerpräsident persönlich in den Park kommt, sei das nicht nur ein Schulterschluss mit Stadt und Polizei, sondern auch ein starkes Signal.

Sowohl bei dem Söder-Termin als auch bei der jetzigen Podiumsdiskussion wurde dazu immer wieder der 17. Dezember angesprochen. Dann tagt der Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrates und berät über ein ganzes Maßnahmenpaket für den Alten Botanischen Garten. Es umfasst ein Waffenverbot, ein Cannabis-Mitführverbot und ein Alkoholverbot. Letzteres war in der Vergangenheit abgelehnt worden. Nun hoffen die Verantwortlichen, damit besser Herr der Lage zu werden.

Das gilt auch für das Drogenproblem: Aktuell ist bei Cannabis der Besitz bis 25 Gramm erlaubt. Die Dealer haben laut Hampel also immer exakt 24,9 Gramm bei sich. Das Mitführverbot macht es für die Polizei leichter, im Park durchzugreifen. Bislang kann sie nur einschreiten, wenn es um Handel geht. Erst am Dienstag wurde ein Dealer aus Syrien (34) festgenommen. Er sitzt in U-Haft.
NADJA HOFFMANN

Artikel 8 von 10