Machen Sie jetzt den Polio-Check

von Redaktion

Kinderlähmung: Viren im Münchner Abwasser gefunden – Folgeprobe der LMU negativ

Ein Pieks gegen Polio: Experten raten, zu prüfen ob der Impfschutz vollständig ist.

Im Münchner Abwasser entdeckten Forscher Polio-Viren. Sie gehen auf eine Schluckimpfung zurück.

Trotz geringem Infektionsrisiko raten Experten, den Impfstatus zu überprüfen. © Getty Images, dpa, Gülland

Der Virus ist in Deutschland eigentlich ausgerottet – doch jetzt wurden im Münchner Abwasser Polio-Viren gefunden. Auch in Bonn, Köln und Hamburg gab es Nachweise. Die gute Nachricht: Deutschlandweit sind bisher keine Polio-Fälle bekannt, die Erkrankung ist meldepflichtig. „Ich halte das Risiko für die Bevölkerung für wahnsinnig gering“, betont Allgemeinmediziner Markus Frühwein. „Aber der Fall zeigt, wie wichtig eine gute Durchimpfung ist.“

Poliomyelitis, wie dir Krankheit im Fachbegriff heißt, ist hochansteckend. Die Krankheit betrifft besonders kleine Kinder und kann bei nicht ausreichend immunisierten Personen im schlimmsten Fall zu Lähmungen führen. Sie wird durch Schmierinfektion übertragen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) rufen dazu auf, den Impfschutz zu überprüfen. Denn prinzipiell sei es laut RKI möglich, dass bei einer anhaltenden Zirkulation vereinzelte Fälle unter Ungeimpften auftreten könnten – auch wenn aufgrund der hohen Impfquoten und guten Hygienebedingungen die Wahrscheinlichkeit in Deutschland gering sei.

Die Abwasserproben hatte das Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) im Rahmen eines „Abwasser-Monitoring“-Projekt als Frühwarnsystem entnommen. Bei einer Folgeprobe durch die LMU seien keine Viren mehr gefunden worden, berichtet das städtische Gesundheitsreferat. Beim sogenannte Abwasser-Monitoring handelt es sich um ein innovatives und präventives Frühwarnsystem.

Die nachgewiesenen Viren sind keine Polio-Wildtyp-Viren. Stattdessen gehen sie auf eine Polio-Schluckimpfung mit abgeschwächten lebenden Erregern zurück, die sich genetisch verändert haben. Mit dem Polio-Lebendimpfstoff hatten geimpfte Personen die Viren ausgeschieden, die dann weiter zirkuliert sind.

Die Schluckimpfung ist laut den Experten sehr effektiv und schützt auch vor Übertragung. „Deshalb wird sie oft verwendet, wenn in einem Land Polio ausgerottet werden soll“, sagt Frühwein. In Deutschland gibt es dagegen grundsätzlich eine Totimpfung per Spritze.
CLAUDIA SCHURI

Artikel 1 von 11