Eisbad-Eypertin Irina Hey ist seit sechs Jahren dabei.
Lena (31) ist top ausgerüstet mit Handschuhen.
Glücklich wieder an Land: Uwe (45) und Udo (50). Eisbader schwören auf die positiven Effekte zur Muskelregeneration und Stärkung des Immunsystems.
Ganz schön kalt. Das bekommen auch die härtesten Eisschwimmer zu spüren. © Achim Schmidt (4)
Mitten im Winter freiwillig ins eiskalte Wasser? Genau das gehört seit einigen Jahren zum Wochenprogramm einiger unerschrockener Münchner: Jeden Sonntag gegen 11 Uhr treffen sich die Mitglieder der „Munich Hot Springs“-Gemeinschaft am Eisbach im Englischen Garten, um gemeinsam ins Bibber-Wasser einzutauchen – und das mit großer Begeisterung. Zu den Eisbade-Fans gehört auch Irina Hey. Sie arbeitet eigentlich im Marketing, zum Eisbaden ist sie über den Sport gekommen. In ihrem damaligen Fitnessstudio lernte sie zwei junge Männer kennen, die sich regelmäßig um 5 Uhr morgens am Eisbach trafen, um dort baden zu gehen. Ziel der beiden war es, die Regeneration der Muskeln nach dem Training zu unterstützen. Irina begleitete die beiden zum Eisbaden und war sofort Feuer und Flamme fürs Eisbaden.
Das ist jetzt sechs Jahre her. Irina beschäftigte sich seitdem intensiv mit dem Thema und besuchte ein Seminar des niederländischen Eis-Gurus, dem „Iceman“ Wim Hof. Von ihm lernte sie die sogenannte Wim-Hof-Methode: eine Kombination aus Kältetherapie, Atemtechnik und mentaler Entschlossenheit. Das neue Wissen brachte sie mit nach München und die anfangs noch überschaubare Truppe wuchs rasant. Mittlerweile umfasst die Community rund 600 Mitglieder, die sich in einer WhatsApp-Gruppe verabreden und austauschen können.
„Besonders in der Corona-Zeit war der Zuwachs enorm“, erzählt Irina. Das Eisbaden war für viele Münchner die Gelegenheit, mal von zu Hause rauszukommen, Leute zu treffen und etwas zu erleben. Seitdem ist der Zulauf etwas schwächer, erklärt sie: „Es kommen immer wieder neue Leute dazu und andere springen ab. Natürlich trifft man auch viele alte Hasen, die schon lange dabei sind.“ Bei den wöchentlichen Treffen kommen meist um die 50 Leute zusammen. Auch heuer. Saisoneröffnung war am 10. November, als die Wassertemperatur noch knapp zweistellig war. Warum nicht erst, wenn’s richtig kalt ist? „Zur Vorbereitung“, sagt die Expertin. So können sich Irina und ihre Gleichgesinnten an die stetig sinkenden Temperaturen gewöhnen und erleben jedes Mal einen neuen Kick. Das gilt für die erfahrenen Eisbader. Einsteiger sollten sich vorher vom Arzt durchchecken lassen, um kein Risiko einzugehen. Zusätzlich gibt es online einen Duschplan, mit dessen Hilfe man sich auf die eisigen Temperaturen vorbereiten kann. Menschen, die unter Herz-Kreislaufproblemen oder chronischen Erkrankungen leiden, sowie schwangere und stillende Frauen sollten nicht ins kalte Wasser springen.
Apropos: Springen ist so oder so der falsche Weg, warnt Irina. „Langsam und vorsichtig“ muss man sich ins Wasser begeben, um einen Kälteschock zu vermeiden. Grundsätzlich ist das Eisbaden ungefährlich und bringt jede Menge Vorteile mit sich: Das Immunsystem wird gestärkt, das Herz-Kreislauf-System trainiert und die Regeneration der Muskeln nach dem Sport beschleunigt. Ein Versuch kann also nicht schaden – solange die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
TABEA HOFMANN